Judenhaß in Neapel und Böhmen. 293
wenn auch scheinbar aussichtslosen Versuch, das sie bedrohende Elendabzuwenden. Es gelang ihm auch mittels einer bedeutenden Geld-,summe den Aufschub der Verbannung auf zehn Jahre zu erwirken,und noch dazu günstige Bedingungen für ihre geschäftlichen undreligiösen Interessen während ihres Aufenthaltes zu erlangen. Unteranderem sollten sie nicht gezwungen werden, christliche Predigten an-zuhören, Judenabzeichen zn tragen, Sabbat und Feiertage zu ent-weihen. Dieser Vertrag, welchen der Vizekönig Pedro de Toledo, derGönner der Juden, mit Samuel Abrabanel und anderen angesehenenJuden im Namen des Kaisers abgeschlossen hatte (1535 bis 1536), wurdevom Kaiser kaum fünf Jahre später gebrochen. Er erließ einen un-widerruflichen Verbannungsbefehl.
Vergeblich hatten die neapolitanischen Juden einen Abgeordnetenan Karl geschickt, namens Saloino Rom, welcher einiges Gewichtbei ihm zu haben glaubte. Der Kaiser wollte ihn nicht anhören undbedrohte ihn mit seiner strengen Ungnade, wenn er es wagen sollte,ihn noch mit einem Bittgesuch zu belästigen. Jeder Jude wurde mitschweren Strafen bedroht, der sich in Neapel ferner blicken lassen würde(1540 bis 1541). Viele von ihnen wendeten sich nach der Türkei,einige nach Ancona unter päpstlichen Schutz oder nach Ferrara unterdie Herrschaft des Herzogs Ercole II., welcher als Jndenfreundgalt. Die zu Schiff ausgewandert waren, erlitten viel Ungemach,wurden teils gekapert und nach Marseille gebracht. Hier taten diedaselbst lebenden Marranen viel für sie, und auch der König Hein-rich II. zeigte sich menschenfreundlich. Da er sie nicht im Lande be-halten durfte, so beförderte er sie auf seinen Schiffen nach der Türkei.Auch Samuel Abrabanel verließ Neapel, obwohl es ihm freigestelltwar, ausnahmsweise dort zu bleiben; er wollte sich aber von demGeschicke seiner unglücklichen Religionsgenossen nicht trennen?) Erließ sich in Ferrara nieder, wo bereits einige seiner Verwandtenwohnten, und lebte etwa noch ein Jahrzehnt daselbst. Seine edleFrau, hochgeehrt von Leonora, der Tochter des Vizekönigs von Neapel,inzwischen Herzogin von Toskana geworden, überlebte ihn?)
Ein Jahr darauf empfanden die Juden Böhmens den, so zusagen, gemilderten, anständigen Judenhaß. Es waren in den Städten,namentlich in Prag, öfters Feuersbrünste entstanden. Juden wurdenneben Hirten als Urheber beschuldigt, daß sie Mordbrenner zu dieserverruchten Tat gedungen hätten; bestimmte Personen unter ihnenwaren als solche bezeichnet worden. Diese, ergriffen, angeklagt undgefoltert, hatten Geständnisse gemacht und den Tod erlitten. Außer-,dem wurden die Juden beschuldigt, die heimlichen Kriegsrüstungen
h Lg-musl Ilsaus das. ") Sie starb 1552.