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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

erscheinen pflegte?) Aber der Kurfürst von Sachsen blieb ein hart-näckiger Judenfeind, wie auch Philipp von Hessen. Sie ließen dieJuden ihrer Länder ausweisen oder unverwehrt quälen?) Aus derprotestantischen Stadt Magdeburg und anderen Orten wurden sie indieser Zeit abermals verjagt?) So war die Lage der deutschen Judenin dem Herde der Reformation, welche die Hoffnung auf Entfesselungaller Bedrückten, auf eine Art evangelische Erlösung erweckt hatte.In katholischen Ländern erging es ihnen zwar nicht besser, aber mitden Leiden war nicht das bittere Gefühl der Enttäuschung verbunden.

Im Königreich Neapel, wo die Spanier herrschten, arbeitete dieultrakatholische Partei schon lange daran, die Inquisition gegen diedort weilenden Marranen einzuführen. Als Karl V. von seinemSiegeszuge aus Afrika zurückkehrte, ging sie ihn an, die Juden über-haupt aus Neapel zu vertreiben?) weil die Marranen durch Verkehrmit ihnen in ihrem Unglauben nur bestärkt würden. Dem Kaiserlag nicht viel daran, die Juden daselbst zu beschützen. Aber die auchvon den Spaniern hochgeachtete Dona Benvenida, die edleGattin des Samuel Abrabanel (o. S. 38), hatte den Kaiserso eindringlich angefleht, den Ausweisungsbefehl zurückzunehmen, undihre junge Freundin, die Tochter des Vizekönigs, hatte das Gesuchso warm unterstützt, daß er es ihnen nicht versagen konnte. Möglichauch, daß das Vermögen des Abrabanel dabei mitgewirkt hat. Abereinige Jahre später erließ Karl an die neapolitanischen Juden denBefehl, daß sie das Land verlassen sollten (1533).

Aber so, wie Joselin von Roßheim für die deutschen Juden, sounterließ Don Samuel Abrabanel für die neapolitanischen nicht, jeden,

fl Über Lippold oder Lippolt s. w. u. Über den reichen Michel, FrankelMonatsschrift Jahrg. 1861, 293 aus Räumers historischem Taschenbuch imJahrg. 1885, 428.

2) Joselin Tagebuch a. a. O. und sein Schreiben an den Magistrat vonStraßburg, Usvns XIII p. 81, 83.

fl Luther vor den Juden; Vergl. w. u.

fl Hauptquellen über die Auswanderung aus dem Neapolitanischen:Samuel Usqne, üonsolaqäo III, Nr. 32. Joseph Kohen, Xmsb ba-Haobap. 102. G. Jbn-Jachja 8obaisebelst gegen Ende, und von christlicher Seite2urita, ?nnals8 äs ?raZon N. XII, Oappaoio bist. Xeapol. XVII, 87.Die meisten setzten das Faktum 1540, nur Usqne ein Jahr später, und seinDatum wird von Widmannstadts Angabe bestätigt, der in seinen Notizenbemerkt hat: luisis boo anno 6bri. 1511 lluäasis Xeapolitano rsZuo sie.(Orient. Ltbl. 1845 ool. 323). Die Differenz entstand wohl daher, daß einigefrüher, andere später ausgewandcrt sind. Der Zeitgenosse Joselin, welcher inderselben Zeit während des Reichstagsabschieds in Regensburg weilte, setzteebenfalls das Jahr 1511 dafür an (Tagebuch Nr. 32). Über den günstigenVertrag mit den Juden vom Jahre 1535 vergl. das Aktenstück, mitgeteilt vonKaufmann, Usvus cl. Lt. j. XX p. 39 f.