Luthers Judenhaß.
291
von Roßheim gewendet, für sie Fürsprache einzulegen, und er war wieimmer bereit, Helfer in den Nöten zu sein. Er ließ sich ein Empfehlungs-schreiben vom Magistrat von Straßburg an den Kurfürsten ausstellen,der ein nicht zu unterschätzender.Bundesgenosse in dem SchmalkaldischenBund gegen den Kaiser und die Katholiken war.
Der Prediger Wolfgang Capito gab ihm ein sehr warm ge-haltenes Schreiben an Luther mit, mit der dringenden Bitte, den Kur-fürsten von Sachsen umzustimmen?) Joselins Schritte waren abervergeblich. Johann Friedrich zeigte sich ihn: nicht so zugänglichwie Kaiser Karl, und Luther mochte nicht ein Wort zugunsten der Judenbei ihm sprechen. Er wollte ihn nicht einmal vor sich lassen undschrieb ihm nach vielem Drängen einen Brief, welcher seine Lieblosigkeitgegen die Juden bekundet und einen grellen Mißklang bildet gegenseine frühere mitleidsvolle Teilnahme für sie. Luther bemerktedarin, er habe sich früher für die Juden warm verwendet, aber weilsie einen schlechten Gebrauch von seinem Dienste gemacht, habe er dieLust verloren, sie zu verteidigen, weil sie dadurch nur in ihrem Irrtumbestärkt und noch schlimmer würden, als sie waren,2) daß sie trotzdemin ihrer Verblendung beharrten und der Kirche noch immer den Rückenkehrten.
Joselin ermüdete indes nicht, weitere Schritte zu tun, um dieVerfolgung seiner Schützlinge in den protestantischen Ländern abzu-wenden. Er erlangte Zutritt zu einer Versammlung der Fürsten desSchmalkaldischen Bundes in Frankfurt a. M., um die Anschuldigungenzu widerlegen, welche Luther und Bucer gegen die Juden im allge-meinen aus mißverstandenen Stellen der heiligen Schrift vorgebrachthatten. Da er den hebräischen Text der Bibel gründlicher verstand,als die Führer der Reformation, so war die Verteidigung für ihn einleichtes Spiel. Sie wirkte auch so überzeugend, daß mehrere Fürstenvon ihrer Intoleranz gegen die Juden abgingen, darunter auchJoachim II. von Brandenburg, da es ihm noch dazu bei dieser Ge-legenheit klar wurde, daß sein Vorfahr Joachim I., vom Betrug derGeistlichen verleitet, die Juden in Berlin dreißig Jahre vorherhatte unschuldigerweise verbrennen lassen?) Dieser Markgraf ent-ledigte sich so sehr seiner Vorurteile gegen die Juden, daß er sich voneinem jüdischen Leibarzt Li PP old behandeln ließ und eine Artjüdischen Hofagenten in Dienst nahm, den reichen Michel von Berlin,welcher einen augenblendenden Aufwand machte, sich von Dienernbegleiten ließ und in diesem Gefolge zu Roß auf den Reichstagen zu
>) Lsvns das. 78 f. Dabei ist bemerkt, daß auch Bucer Luther anging,sich für die Juden zu verwenden.
2) Das. x. 83 und Joselins Tagebuch Nr. 22.
Tagebuch dieselbe Nummer. Vergl. o. S. 90.
19 *