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Geschichte der Juden.
allerdings mit verkehrten Mitteln, herbeizuführen, unterlagen die ?abendländischen Juden dem Elend der stets frisch über sie verhängtenVerfolgungen. Die alten Anklagen über ihre Gemeinschädlichkeit,ihren Kindermord, ihre feindselige Haltung gegen das Christentum,einige Zeit während der Reformationsbewegung verstummt, tauchtenvon neuem auf. Die stockkirchliche Richtung, welche sich um diese Zeitin der katholischen Welt geltend machte, um sich gegen das immer mehrerstarkende Luthertum zu behaupten, übte auch ihre Wirkung auf dieJuden aus und brachte ihnen zunächst in katholischen Ländern neueLeiden. Zu den alten Anklagen kam noch eine neue hinzu, welche auch !die Lutheraner gegen sie einnahm. Die lutherische und calvinische Re- !formation, die bis nach England und Polen gedrungen war, hattevielen über Religion und Christentum die Augen geöffnet und sie zun: l
Selbstdenken gebracht, vieles als falsch, irrtümlich und lästerlich zu finden,was die Reformatoren selbst als wesentliche Bestandteile des Christen-tums ansahen. Die in die meisten europäischen Volkssprachen über-setzte Bibel gab denkenden Lesern an die Hand, sich selbst einen eigenen, ^von den Dogmenschmieden in Rom, Wittenberg und Genf abweichendenLehrbegriff der Religion zu bilden. Beim Lesen der Bibel kam das alteTestament vor dem neuen, und beim Übergang von dem einen zun: !
andern gewahrten so manche, daß da vieles nicht miteinander stimme,daß die Lehre von der strengen Gotteseinheit der Propheten im grellen lWiderspruch stehe zu der Dreifaltigkeitslehre der Kirchenväter und daßselbst die Apostel noch nicht die Dreieinigkeit kannten. Außerdem hattedie Reformation einen Anlauf genommen, neben der religiösen Be-freiung auch die politische Freiheit von dem eisernen Joche der Fürstenanzubahnen, in deren Augen das Volk gar nicht zählte, sondern nur gut jzum Steuerzahlen und zu Frondiensten der Leibeigenschaft war. Nun !fiel es nicht wenigen auf, daß die biblischen Schriften des Judentunisalles Recht dem Volke zusprechen und den Despotismus der Königeverdammen, während das evangelische Christentum ein Volks-tum gar nicht anerkennt, sondern nur himmelnde Gläubige, denenes empfiehlt, den Nacken unter das Joch der Tyrannen zu beugen.
Der Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Testament, daßdas eine nebst einem gottesfürchtigen Leben tätige Tugenden lehrt,und das andere neben blindem Glauben nur leidende Tugend ver-herrlicht, dieser Gegensatz wurde von den durch das rege Vertiefen indie Bibel geschärften Augen nicht übersehen. Unter den: Gewimmelreligiöser Sekten, welche die Reformation in den ersten Jahrzehntenzutage gefördert hat, entstanden auch einige, welche sich den: Judentummehr zuneigten und von den herrschenden Parteien als H a l b j u d e n ,Judenzer (ckaämsaatss, Ssoäsaäasi) gebrandmarkt wurden. Diesenahmen besonders an der Dreieinigkeit Anstoß und wollten Gott nur >