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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Eintreten der Unitarier für die Juden. 289

als strenge Einheit gedacht wissen. M ichael Servet, (eigentlichMiguel Serveto) ein Aragonier, vielleicht von Marranen in Spanienbelehrt, verfaßte eine Schrift über dieJrrtümer der Dreieinigkeit", dieviel Aussehen machte und ihm anbängliche Jünger zuführte. Er wurdedafür von Calvin selbst in Genf auf dem Scheiterhaufen verbrannt. TieReformatoren hatten die fanatische Unduldsamkeit der katholischen Kirchebeibehalten. Nichtsdestoweniger bildete sich eine Sekte der Einheitslehre(U n i t a r i e r , A n t i t r i n i t a r i e r), welche Jesu Wesensgleichheitmit Gott verwarf. In England, wo der Katholizismus nur durch dieLaune und Liebesbrunst eines Tyrannei:, Heinrichs VIII., gestürztworden war, fing jene religiös-politische Partei sich zu bilden au,welche das alttestameutliche Staatswesen den englischen Verhältnissenanpassen und verwirklichen wollte. Sie schien nur alttestameutlicheVorbilder zu kennen und von den Betbrüdern und Betschwestern desneuen Testaments nichts wissen zu wollen. Manche feierten den Sabbat,als den von Gott eingesetzteil Ruhetag, allerdings bei verschlossenenFenstern?) Einige exzentrische Christen faßten tvie zur Zeit Ludwigsdes Frommen in Frankreich, eine Art von Vorliebe für die Judenals Nachkommen der Patriarchen, als Reste jenes Volkes, das Gott einstseiner Gnadenfülle gewürdigt, als Blutsverwandte der großen Pro-pheten, die schon deswegen allein die höchste Achtung verdienten.Es erschien damals unter der Unzahl von Flugschriften auch eiu Dialogzwischen einem Juden und Christen, worin die Stützen für die christ-lichen Dogmen aus alttestamentlichen Schriftverseu umgestoßeu wurden,wahrscheinlich voll einem Christeil verfaßt?) Solche Erscheinungentrugeil dazu bei, die Juden auch im Kreise der Reformatoren mißliebigzu machen. Die Anhänger der neuen Kirche heuchelteil gewissermaßenJudenhaß, um den Verdacht von sich abzuwenden, als wollten sie dasChristentum untergraben und das Judentum au dessen Stelle setzen.Die Juden hatteil also hüben und drüben Feinde und mußten denWahn bald aufgeben, daß der Katholizismus gestürzt werden und dasLuthertum mit ihnen sympathisieren würde. Man kann daher michnoch aus der Zeit der Reformatiousbeweguug Jahrbücher der Juden-verfolgung anlegen und für jedes Jahr Beschränkungen, Quälereien undAusweisung eintragen. Aber die Zeit hatte sich doch gebessert. Nicht mehrplötzliche Überfälle, Niedermetzlung, Mord in Massen, wie früher, sondernruhige gesetzliche Ausweisung, einfaches Hinausjagen ins Elend, immerauf Grund erlogener Beschuldigungen.

Luthers Erbarmen mit ihren tausendfältigen Leiden, das er iniBeginne seiner Reformlaufbahu offen bekundet hatte, war nicht von

>) Quellen bei Schudt, jüdische Denkwürdigkeit I, S. 538.

2) Luther, von den Juden und ihren Lügen, Ans. also noch vor 1543.

Grnetz, Geschichte der Juden. IX. lg