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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Joseph Karo.

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Vater Ephraim im Talmud unterrichtet, verlegte er sich auf einen sonstvernachlässigten Zweig desselben. Er vertiefte sich so sehr in den Mischna-text, daß er ihn auswendig konnte. Später siedelte Karo von Nikopolisnach Adrianvpel über, wurde dort wegen seiner erstaunlichen Talmud-gelehrsamkeit bereits als respektable Persönlichkeit angesehen und bildeteSchüler aus. In den dreißiger Jahren unternahm er das Riesenwerk,den Religions- und Ritualkodex des Jakob Äschert^) zu kommen-tieren, mit Belegstellen zu versehen und zu berichtigen, ein Werk, woraner zwanzig Jahre seines Lebens wendete (1522 bis 1542) und zu dessennochmaliger Revision er noch zwölf Jahre brauchte (1542 bis 1554).In diese seine trockene Beschäftigung, wobei seine Phantasie müßigblieb, hatte Salomo Molchos Erscheinen einen Wechsel gebracht. Derjunge Schwärmer aus Portugal hatte einen so überwältigenden Eindruckauf Karo gemacht, daß er sich von ihm in die sinnverwirrende Kabbalaeinweihen ließ und dessen messianische Träume teilte. Seit dieser Zeitwar seine Geistestätigkeit zwischen der trockenen rabbinischen Gelehr-samkeit und der phantastischen Kabbala geteilt. Er stand mit Molchowährend dessen Aufenthalts in Palästina in Briefwechsel und machtePläne, ebenfalls dahin auszuwandern. Er bereitete sich wie Molchoauf einen Märtyrertod vor, daß erals heiliges Ganzopfer auf demAltar des Herrn verbrannt werde" und hatte wie dieser phan-tastische Träume und Visionen, die ihm, wie er glaubte, durch Ein-gebung eines höheren Wesens zugekommen waren. Dieses höhereWesen (LlaMcl) sei aber nicht ein Engel oder eine phantastische Stimme,sondern drollig genug die Personifizierte Mischna gewesen, diesich zu ihm herabgelassen und ihm namentlich in der Nacht Offenbarungenzugeflüstert habe, weil er sich ihren: Dienste geweiht habe. SolcheVisionen, die er größtenteils niedergeschrieben, hatte Joseph Karonicht in einer kurzen Zeit, sondern bis an sein Lebensende fast vierzigJahre hindurch in gewissen Zwischenräumen. Sie sind später zumTeil veröffentlicht worden^) und machen einen betrübenden Eindruckwegen der Verheerung, welche die Kabbala in den Köpfen angerichtethat. Das höhere Wesen oder die Mischna legte Karo die schwerstenKasteiungen auf, verbot ihn: den Genuß von Fleisch und Weinmit Ausnahme an Sabbaten und Festtagen und untersagte ihn:gar das viele Wassertrinken. Hatte er sich irgend ein Vergehen zuschulden kommen lassen, sich dem Schlafe zu sehr überlassen, sich zuspät zum Gebet eingefunden oder das Studium der Mischna ein wenigvernachlässigt, so erschien die Mutter-Mischna und machte ihm zärtliche

>) B. VII, S 249.

2) Unter dem Titel mini- Über die Echtheit des Karoschen Maggidsiehe Note 5. Sehr oft kommt darin die Phrase vor: mnvn nrvvn 'm -m

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