Jakob Berabs Streit mit Levi bcn Chabib. 283
tums nicht das katholische Prinzip abgelegt von der Äußerlichkeit derBuße — eine solche Sündenvergebung könne ihnen aber erst vollgewährt werden (das machte Berab geltend), wenn die gesetzlich Vvr-geschriebene Geißelstrafe (39 Streiche) an ihnen vollzogen würde.Diese Strafe vermöge aber nur ein gesetzmäßig ordiniertes Kollegiumzu verhängen. Darin lüge also die Notwendigkeit für die Ordination?)
Es wurde Levi ben Chabib nicht schwer, wenn er einmal seineAntipathie gegen den Urheber der Anordnung auf dessen Werk über-tragen wollte, diesen Grund als nicht stichhaltig genug zu erschüttern.Aber er begnügte sich damit nicht, sondern brachte auch allerleiSophistereien vor. Er wollte Jakob Berab die Absicht beilegen, daßer, wenn einmal berechtigt ordiniert, die Machtvollkommenheit be-anspruchen würde, den bisherigen Festkalender umzusloßen und einenneuen, d. h. den uralten zur Zeit des Talmud gebräuchlichen, einführenzu dürfen — obwohl dieser sich ernstlich dagegen verwahrte — nur umböswillig behaupten zu können, wie gefährlich diese Neuerung für dieGesamtjudenheit werden und wieviel Verwirrung sie anrichten könne.Dieser Widerspruch von Jerusalem aus, von seiten des Levi ben Chabibund seines Kollegen Mose de Castro, welchen Jakob Berab nicht in deinMaße erwartete, da er ihnen nicht so viel Mut oder mehr Selbstver-leugnung zugetraut hatte, erbitterte ihn in hohem Grade. Es warihm mn so peinlicher, als dieser Widerspruch geeignet war, das ganzeUnternehmen scheitern zu lassen. Tenn wie sollte er es der asiatischen,europäischen und afrikanischen Judenbeit annehmbar und es zumAngelpunkte einer Reorganisation machen, wenn die HauptgemeindePalästinas, wenn Jerusalem, die heilige Stadt, es verwarf? Dazukam noch, daß in dieser Zeit sein Leben in Safet gefährdet war, wahr-scheinlich durch Denunziation bei den türkischen Behörden, welche irgendeine Gelegenheit benutzen wollten, sich seines Vermögens zu bemäch-tigen. Berab war genötigt, für den Augenblick Palästina zu verlassen.Um die Ordination nicht alsbald fallen zu lassen, erteilte er vier Talmud-kundigen die Weihen, ähnlich wie es einst in der Hadrianischen ZeitJuda ben Baba gemacht hatte. Diese vier hatte er aber nicht aus denältern Rabbinen nusgewählt, sondern aus jüngern. Darunter warJoseph Karo, der Schwärmer für Salomo Molchv und dessenkabbalistisches Messiastnm, der mit ganzer Seele für die Ordinationeingenommen war; 2) auch seinem besten Jünger Mosede Tranihatte Berab die Weihen erteilt?) Solche Bevorzugung jüngerer,
>) Levi b. Chabib p. 277 b. o. Daß das Angegebene der Sinn der Motivierungfür die Notwendigkeit der Ordination und daß dabei ans die ansgcwandertenMarranen Rücksicht genoininen ist, folgt aus x. 288 e. das. 2 ) Vergl. Note ö.
°) Die übrigen zwei waren vielleicht Mo sc Cordnero und Joseph Sagis,beide Stock-Kabbalisten und Schwärmer für das messianische Himmelreich.