282
Geschichte der Juden.
von einer Minderheit gegen die Safetaner Mehrheit angesehen werdenwürde. Der Augenblick, als ein wichtiger Schritt zuin Zusammen-schluß der Judenheit getan werden sollte, fand Levi ben Chabib,dessen Stimme jedenfalls gewichtig war, nicht groß genug. Er unterlagder Empfindlichkeit und vergaß schnell, daß es auch früher sein Wunschgewesen war, die Ordination von Richterrabbinen wieder zu erneuern.Sobald ihm die Anzeige von dem Akt in Safet zngekvmmen war,erklärte er sich sofort und entschieden gegen die bereits vollzogeneWahl und verfehlte nicht zu bemerken, daß er vorher darüber hätte befragtwerden müssen?) Sein Widerspruch scheint aber in Jerusalem keinenEindruck gemacht zu haben, denn nur ein einziger rabbinischer Kollege,Mose de Castro, stand ihm zur Seite; die übrigen Rabbinats-mitglieder verhielten sich leidend. An Gründen gegen die Erneuerungder Ordination und eines Shnhedrin konnte es in den talmudischenund rabbinischen Gesetzen nicht fehlen. Es herrscht darin ein so ver-wirrendes Meinungsgewimmel, daß daraus für jede Sache das Mirund Wider geltend gemacht werden konnte. Und wann hätte es über-haupt dem bösen Willen oder der verletzten Eitelkeit an Scheingründengefehlt, einen unangenehmen Schritt zu verdächtigen und zu ver-kleinern? Berab und seine kopfnickenden Wähler hatten auch eine Hand-habe zur Verdächtigung der Ordination gegeben. Das rabbinische Juden-tum ist io durch und durch Praktisch, daß es für romantische Schwärmereiund Gefühlsverschwommenheit keinen Boden bietet. Die Safetanerdurften also nicht ihren Herzenswunsch als Grund zur Einführung derOrdination geltend machen, daß dadurch die messianische Zeit gefördertwerden könne; das hätte in den Ohren der Rabbinen, so voll auch ihreBrust von der Messiashoffnung war, als gar zu abenteuerlich und lächer-lich geklungen. Andere dafür sprechende Gründe gab es zurzeit nicht.Das Festkalenderwesen, das früher von ordinierten Kollegen geordnet zuwerden Pflegte, war seit einein Jahrtausend festgestellt, und cs durftedaran nicht gerüttelt werden. Andere Fälle, für welche im Talmudordinierte Richter gefordert werden, wie etwa zur Verurteilung einesDiebes, eines Müdchenschänders, kamen gar zu selten vor, als daßdaraus die Notwendigkeit der Ordination hätte hergeleitet werden können.Daher hatten die Safetaner einen Grund geltend gemacht, der praktischund zeitgemäß scheinen sollte, aber doch weit hergeholt war. Es trafenviele Marranen aus Portugal und Spanien in Palästina ein, welchewährend ihres kürzeren oder längeren Verweilens im Scheinchristentumnach talmudischer Lehre Todsünden zu begehen gezwungen waren.Diese bereuten zerknirscht ihr Vergehen und lechzten nach innererSühne und Sündenvergebung — sie hatten mit der Maske des Christen-