Der Papst Paul III.
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Vor allem aber sollten die der Ketzerei und des sogenannten Rückfallesangeklagten Neuchristen in Portugal für den Augenblick nicht verurteiltwerden, im Gegenteil Verzeihung erhalten und erst in Zukunft verant-wortlich gemacht werden. Auch dann sollten die ersten zehn Jahre dieGüter der Rückfälligen nicht angetastet werden, sondern ihren Erben ver-bleiben. Auch sollten innerhalb eines Jahres die verurteilten Marranennicht dem weltlichen Arm, d. h. dem Feuertode übergeben werden. ZIn der Beschränkung der Auswanderung der Marranen hatte Paul III.doch nachgegeben. Es war das wichtigste Interesse für den König.
Infolge der den Neuchristen von: Papste erteilten allgemeinenAbsolution wurden die Kerker der Inquisition in Lissabon, Evoraund anderen Städten geöffnet und achtzehnhundert in Freiheitgesetzt (Juli 1547)2). Bald darauf wurden sämtliche Marranen zu-sammenberufen und mußten ihr Judaisieren abschwören, aber nicht,wie es der Papst bedungen hatte, in aller Stille, nur vor einem Notar,sondern das Reuebekenntnis wurde auf einem weiten Platze vor einerKirche im Beisein einer großen Volksversammlung abgenommen.chErst von diesem Augenblick an wurden sie als volle Christen angesehenund sollten bei etwaiger Übertretung als Ketzer bestraft werden dürfen.Der Papst hatte aber in einem Breve dem König ans Herz gelegt,daß die Tribunale auch gegen solche in Zukunft mit Milde Verfahrensollten, da sie doch nur aus Gewohnheit jüdische Gebräuche beobachteten.So hatte dieser Papst bis zu seinem Lebensende die Marranen in Schutzgenommen. Nichtsdestoweniger fielen sie dem tragischen Geschickzum Opfer. Es war ein himmelschreiendes Unrecht, von ihnen ein auf-richtiges katholisches Bekenntnis zu verlangen und sie beim Ertappenbei judaisierenden Gebräuchen zu verurteilen, sie, die mit ihrem ganzenWesen dagegen protestierten. Von der andern Seite konnte aber auchder Staat nicht zugeben, daß eine ganze Klasse der Bevölkerung, dieäußerlich zur Kirche gehörte, die Freiheit erhalten sollte, sie gewisser-maßen zu verhöhnen. Die Gerechtigkeit hätte allerdings gefordert,daß den Marranen die Wahl gelassen werden sollte, auszuwandern odersich aufrichtig zur Kirche zu bekennen. Allein das konnte der Hof nichtzugeben, ohne den Staat zu ruinieren. Denn die Marranen jüdischerAbkunft bildeten den nützlichsten Teil der städtischen Bevölkerung.Ihre Kapitalien und ihr ausgebreiteter Großhandel vermehrten dieStaatseinnahmen, machten überhaupt Geld flüssig und verwerteten dieaus den indischen und afrikanischen Kolonien einlaufenden Rohprodukte:
') Herculano III. 323.
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Gractz, Geschichte der Juden. IX. 18