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Geschichte der Juden.
der ihm als verdächtig zngeführten Neuchristeu verschonte. Trotz seinerSittenstrenge war er nicht wählerisch in der Verwendung seiner Helfer.Ter Ankläger in seinem Jnquisitionsgericht war ein sittenloser Geselleund nur wegen seiner Herz- und Rücksichtslosigkeit von ihm gewählt.Ter Schließer seines Jnquisitionskerkers war ein Verworfener, welcherwahrend der Haft eine marranische Frau und deren Tochter zugleichverführte?)
Die haarsträubendsten Unmenschlichkeiten beging die Inquisitionin der Hauptstadt Lissabon, wo zahlreiche Marranen wohnten. Hierfehlte es an Platz, die Menge der zur Untersuchungshaft Eingezogeneneinzukerkern. Hier galt es aber vorzubeugen, daß nicht ein Sonnenstrahlzu den Eingekerkerten dringe und nicht ein Laut von ihnen nachaußen hörbar werde, damit die Grausamkeit nicht zu den Ohren des inder Hauptstadt residierenden Hofes gelangen könne. Der Großinquisitorvon Lissabon, Joäo de Mello, war an Grausamkeit und Haß gegendie Marranen Lucero in Spanien so. S. 207) gleich. Erbarmen kanntesein Steinherz nicht. Das erste Scheiterhanfenschauspiel in Lissabonschilderte dieser Unmensch selbst dem König mit einer Gemütsruheund einer Behaglichkeit, die nur durch die von allen Seiten genährteGlaubenswut auf der pyrenäischen Halbinsel begreiflich wird. De Melloschrieb dem König: „Etwa hundert Verurteilte bildeten den präch-tigen Zug. Der Laienrichter führte sie in Begleitung der Kleriseivon zwei Kirchspielen. An dem Richlplntz angekommen, sang mandie Hymne: vsni oreakor Spiritus. Ein Mönch bestieg die Kanzel,die Predigt war kurz, weil die Tagesarbeit viel Zeit erforderte. DieVerurteilungen wurden verlesen, zuerst derjenigen zur Verbannungund zeitlicher Haft, dann derjenigen zu ewigen: Kerker und endlichderer, die zum Tode verurteilt waren. Es waren zwanzig. SiebenFrauen und zwölf Männer wurden an den Pfahl gebunden und lebendigverbrannt. Nur eine Frau wurde wegen überzeugend reumütigenBekenntnisses begnadigt."
Ter entmenschte Ketzerrichter de Mello machte die Bemerkung,daß der Himmel an dem Tage der Menschenbrandopfer voller Glanzgegen die stürmischen Tage vorher war, als wenn der Himmel zu demBluttribunal gnädig gelächelt hätte. Er fügte noch hinzu, daß noch eineMenge solcher Sünder in den Kerkern läge, welche nächstens zu einemneuen Scheiterhaufen geschleppt werden sollten. Der König warseiner Diener wert, er hatte seine Freude an dem Tod der Sünder?)
Ein Umstand machte auf den gefühllosen Mello einen tiefenEindruck. Tie Schlachtopfer stießen beim Anblick der Flammen nicht
U Herculano, 101—171.
2) Das. 158s.