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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Beeinflussung des Papstes durch Fälschung. 265

Marranen in Rom und Flandern in Chiffrsschrift ihre geheimen Um-triebe zur Verhinderung der Inquisition nirdergelegt haben. Mit diesenBriefen inachte der portugiesische Hof großes Wesen, legte die Ent-zifferung dem Kaiser Karl und den: Papste vor, daß die geheimenSchliche der Marranen und ihrer Gönner um: entdeckt seien. Es waraber eine grobe Fälschung?) Außerdem hatte der Papst sich eine Bulleabzwingen lassen, welche in Rom die Inquisition gegen Protestantenund Ketzer einführte. Unter den Anhängern der Reformation und denGegnern der katholischen Kirche waren auch Unitarier, welche dirDreieinigkeit als Götzentum betrachteten und verwarfen; sie galtenals Judaisierende. Die Inquisition in Rom war auch gegen sie gerichtet.Warum nicht auch gegen Marranen, d. h. judaisierende Apostaten?Ketzer sind Ketzer?) Diese Konsequenz lag zu nahe, als daß die fanatisch-kirchliche Partei in Rom sie nicht hätte ziehen sollen. Die Marranen ließenindes, um ihren Gegnern in Rom und allrrwärts die Waffen zu ent-winden und die verlogenen Angaben und Berichte des portugiesischenHofes ein für allemal gründlich zu widerlegen, eine umfangreicheDenkschrift ausarbeiten (1544?), worin sie ihr trübes Geschick von derZeit der Könige Joäo 11. und Manoel, die sie durch Elend aller Artzum Christentum gebracht, bis auf die jüngste Zeit durch Urkundenbelegen und auseinandersetzen ein ewiges Schanddenkmal für denStand der Kirche in jener Zeit.

Diese Denkschrift schildert mit ergreifenden Worten die Pein,welche die Marranen täglich und stündlich zu erdulden hatten, daßsie ihr ganzes Leben, auch die, welche nicht in Kerkern schmachteten,und im Anblick der für ihr Geschlecht errichteten Scheiterhaufen inTodesangst lebten. Denn die portugiesische Bevölkerung, roher alsdie spanische, nahm Partei für die Inquisition, empfand Schadenfreudean der Peinigung der Neuchristen und lieferte durch Angeberei Opferüber Opfer. Einige Einzelheiten in der Denkschrift sind denkwürdig.

Sobald die Inquisition gegen den Willen des päpstlichen Stuhles ihre fluchwürdige Arbeit begounen hatte, wurden in Lamego sämt-liche Marranen der Stadt, ein jeder kenntlich an einem körperlichenGebrechen, an dem Pranger in grotesker Gestalt abgebildet und mitder BezeichnungHunde und Verfluchte" gebrandmarkt. Dabei wurdeein Schreiben verbreitet mit dem Inhalt:Dankei: wir Gott für dieGnade, daß wir in unseren Tagen Rache sehen werden an diesemhündischen, ketzerischen und ungläubigen Geschlechte. Alle müssen wireinen Lobgesang für diese Wohltat ai-stimmen. Schonet nur das Holz,

Herculano das. 56 f.

°) Die römische Inquisition ließ daraufhin den Agenten der MarranenFernandes Neto als judaisierendcn Ketzer einkcrkern, das. 85, 92.

°) Vergl. w. unten.