Zwiespalt zwischen Papst und Portugal. 263
Marranen zunächst darum, daß wieder ein apostolischer Nuntius nachPortugal gesandt werde, welcher wie Capodiferrv dort den päpstlichenStuhl vertreten, der Grausamkeit der Inquisition Halt gebieten und dieAuswanderung der Marranen begünstigen sollte. Ter portugiesischeHof verweigerte aber standhaft, einen solchen anzunehmen, weil es nurBrauch war, in außerordentlichen Fällen einen Nuntius auf kurze Zeitan den Hof zu senden, aber nicht einen ständigen Gesandten. TerKönig klagte, der Nuntius würde sämtliche geistliche Befugnisse an sichreißen und den geistlichen und weltlichen Ämtern des Landes alleMacht und alles Ansehen rauben. Außerdem hatten die beiden letztenNuntien geradezu die Marranen begünstigt, lim so inehr bestandendie Neuchristen ans Absendung eines Vertreters des apostolischenStuhles. Sie boten dem Papste dafür 8000 bis 10 000 Tukaten undverpflichteten sich, den: Nuntius monatlich 250 Dukaten zu seinerRepräsentation zu gebend) Diese Unsummen, welche der Papst,einige Kardinäle und ihre Kreaturen erhielten, gingen durch die Handdes Diogo Mendes und seiner Schwägerin in Flandern, welche wieSchutzengel für ihre Leidensgenossen sorgten?) Nach langen vergeb-lichen leidenschaftlichen Verhandlungen, wobei der portugiesischeGesandte Christovam de Sousa dem Papste die gröbstenSchmähungen wegen Käuflichkeit der Kurie ins Gesicht schleuderte,wurde ein Nuntius nach Portugal abgeorduet in der Person des BischofsLuis L i p p o m a n o. Aber Joäo III. gab Befehl, ihn nicht seinLand betreten zu lassen. Er mußte daher einige Zeit an der portu-giesischen Grenze gewissermaßen umherirren, bis es beinahe zum Bruchzwischen dem Hofe von Lissabon und dem Papste gekommen wäre?)
Ter Kampf, zwischen dem portugiesischen Hofe und dem aposto-lischen Stuhle entbrannte nämlich von neuen: oder eigentlich nochheftiger, da der prinzliche Großinquisitor nicht nur fanatisch, sondernauch halsstarrig war, während ilnn noch immer die päpstliche Bestätigungfehlte. Es war ein Kampf auf Tod und Leben nicht der Ringer, sondernder Unglücklichen, welche bei aller Selbstüberwindung sich mit demChristentum nicht befreunden und versöhnen konnten und doch nichtden Mut hatten, Opfer für das Judentum zu bringen, weder von ihrerÜberzeugung, noch von ihrem Mammon und ihrer Stellung lassenmochten.
Wie konnten sie Liebe zu einer Religion gewinnen, deren Diener,Welt- und Klostergeistliche, den scheußlichsten Lastern offen fröhnten?Tie Klöster waren in Portugal damals Schandhäuser. Nonnen ge-
>) Hcrculano II, 321. Der Papst gestand selbst z», daß de Moute aufKosten der Marranen unterhalten wurde. Das. 327.
h Das. 32 l.
°) Das. III, 13, bet Heine in Schmidts Zeitschr. 1848, 187 f.