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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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261
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Kampf der Marranen gegen die Jnquisitivn. 261

Ist diese Schilderung übertrieben? Hat vielleicht die Phantasiedes Dichters geringe Leiden allzu empfindlich zu Märtyrerschinerzenvergrößert? Ein Kardinalskollegium, welches das Verfahren derportugiesischen Jnquisitivn gegen die Marranen offiziell zn unter-suchen hatte, bestätigte diese Schilderung Wort für Wort urkundlich.Wenn ein. Scheinchrist angeklagt wird manchmal durch falscheZeugnisse so schleppen ihn die Inquisitoren in ein finsteres Loch,wo ihm nicht gestattet wird, Himmel und Erde zu sehen und am wenigstenmit den Seinigen zu sprechen, daß sie ihm beistehen könnten. Sie be-schuldigen ihn auf dunkle Zeugnisse hin und geben ihm weder Ortnoch Zeit an, in denen er das, wessen er angeklagt wird, begangenhaben solle. Später geben sie ihm einen Sachwalter, der öfter, anstattihn zu verteidigen, ihn zum Gang zum Richtplatz verhilft. Gesteht einUnglücklicher ein, wahrhaft gläubiger Christ zu sein, und leugnet festdie ihm zur Last gelegten Vergehungen, so verdammen sie ihn zu denFlammen und konfiszieren seine Güter. Wenn er beichtet, diese oderjene Handlung getan zu haben, aber ohne Absicht, so behandeln sie ihnauf dieselbe Weise unter dem Vorwände, daß er hartnäckig seine bösenAbsichten verleugne. Trifft es sich, daß er offen das Angeschuldigteeingesteht, so bringen sie ihn in die äußerste Dürftigkeit und verdammenihn zu ewiger Kerkernacht. Und das nennen sie gegen den Schuldigenmit Barmherzigkeit und christlicher Milde verfahren! Selbst der, demes gelingt, seine Unschuld sonnenklar zu beweisen, wird zu einer Geld-strafe verurteilt, damit man nicht sage, sie hätten ihn ohne Grund ver-kästet. Die in Gewahrsam gehaltenen Angeklagten werden durchallerlei Marterwerkzeuge gepeinigt, die ihnen aufgebürdeten An-schuldigungen zu gestehen. Viele von ihnen sterben im Kerker, unddie in Freiheit Gesetzten bleiben, sie und die Ihrigen, mit der Brand-markung ewiger Schande entehrt?^)

Je grausiger und blutiger die Inquisition verfubr, desto mehrklammerten sich die portugiesischen Scheinchristen an den letzten Hoff-nungsanker, der ihnen noch geblieben war, an den Papst und ihreanderen Gönner, um, wenn auch nicht das Bluttribnnal ganz zu be-

von langen Todeskämpfen abznlcgen." Enthält das Lissaboner Archiv auchlauter historische Romane über die Inquisition? Viele Züge haarsträubenderGrausamkeit der portugiesischen Inquisition haben die Marranen in einemPromemoria für die Kurie znsammengestellt. Nsmorias xorrsctrnn a nvvitsrconvsrsis rsAnl ?ortuKaIIias continsim narrativam rsram Ksstarnm circa,eos a rstz'ibus et inqnisitorr. iiliris rsqmi spatüo 48 annorwu, mit 44 axpsn-clicss. Aus diesem Nsworiale, das Herculano in der Bibliothek zu Ajnda inden Lznamicta Imsitana entdeckt hat, hat er die Geschichte der Inquisition unddas. Martyrologium der Marranen dargestellt. Dieses Werk mußte gedrucktwerden, um die katholischen Schönfärber zu beschämen.

') Herculano das. II. S. 40 fg.