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Geschichte der Juden.
Brüder des Lebens beraubt sehen müssen, ihre Kinder zu Waisen ge-macht, ihre Witwen vermehrt, die Reichen verarmt, die Mächtigenheruntergebrncht, Edetgeborene in Straßenränder verwandelt, zurück-gezogene und keusche Frauen schandbare und schimpfliche Stättenbevölkern aus Armut und Verlassenheit, die sie über sie bringt. Siehat eine große Zahl verbrannt, nicht einzelne, sondern je dreißig unddreißig, je fünfzig und fünzig zusammen. Und nicht genug, dieselbenverbrannt und vertilgt zu haben, bringt sie das christliche Volk dahin,daß es sich dessen rühmt und sich freut, meine Glieder (die SöhneJakobs) auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu sehen, den es mit aufdem Rücken weit herbeigeschleppten Holzstücken anschürt und an-zündet. Die widerwillig Getauften schleichen umher voll von Furchtvor diesem wilden Tiere (der Inquisition), daß sie auf den Straßenihre Augen überall hinwenden, ob es sie nicht ergreift. Mit unsicheremHerzen gehen sie umher, zitternd wie ein Blatt vorn Baume undbleiben entsetzt stehen, aus Furcht, sich von ihm gefesselt zu sehen.Jeder Stoß dieses Tieres beunruhigt sie, und sie empfinden ihn, alswenn er ihr Innerstes träfe; denn in diesem Unglücke sind sie allezum Leiden ein einziger Körper. Mit Angst bringen sie den Bissenin den Mund an ihrem Tische, und die Stunde, welche für alle WesenRuhe bringt, beunruhigt und erschreckt sie noch mehr. Die Freuden undFeste der Hochzeiten und Geburten verwandeln sich ihnen in Trauerund Seelenunruhe. Endlich läßt sie jeder Augenblick tausend tödlicheÜbel kosten. Tenn es genügt nicht, sich durch äußere Zeichen alsChristen zu erkennen zu geben. — Das Feuer zehrt au ihrem Leibe.Unzählig sind die Arten ihrer Marter?)
>) Samuel Usque Oonsola^äo III. Nr. 30. Das Jahr für Anfang derInquisition ist dabei angegeben: 5291 — 1531, aber nicht ganz genau. WennHefele, der Biograph des Kardinals Vmcnes, diese von einem Zeitgenossen,wahrscheinlich von einem Opfer der Inquisition ansgegangene Schilderung der Un-geheuerlichkeiten der Inquisition gekannt hätte, oder vielmehr wenn er nicht von derTendenz besessen gewesen wäre, diese Schandflecken an der Kirche rcinzuwaschenund sie in die Farbe der Unschuld zu verwandeln, so hätte er nicht schreiben können,daß die Grausamkeiten dieses Ketzertribunals nur in historischen Romanen oderromantischen Historien existierten. Hefele beschuldigt Llorente der Übertreibung;aber die jüdischen Blutzeugen des XVI. und XVII. Jahrhunderts, die als halbeLeichen der Inquisition entgangen waren, schildern die raffinierte Unmenschlichkeitderselben noch viel eindringlicher. Der neueste Geschichtsschreiber der portugiesischenInquisition, A. Herculano, hat die haarsträubende Grausamkeit derselben ebensowie Llorente ans laut redenden Archiven kennen gelernt. Er schreibt in der Einl.zu seinem höchst interessanten Werke Origem cla, luqnischilv sm UortmAkü:„Wir könnten eine Geschichte der Inquisition schreiben, dieses Dramas der Gräuel-taten, welches sich über zwei Jahrhunderte hinzieht. Die Archive des schrecklichenTribunals sind hier fast unberührt. Nahe an 40000 Prozesse sind noch ge-blieben, um Zeugnis von fürchterlichen Szenen, von beispiellosen Abscheulichkeiten,