Grausige Schilderung der Inquisition. 259
werden solle. Paul III. ließ sogar eine neue Bulle ausarbeiten(12. Oktober 1539) — eine Ergänzung zu der drei Jahre vorher er-lassenen — die durchweg günstig für die Neuchristen lautete und dieInquisition vollständig gelähmt hätte.?) Allein sie blieb ebenfallstoter Buchstabe. Der Bote, welcher ihre schnelle Besorgung in dieHände der Scheinchristen nach Portugal befördern sollte — verstehtsich, auch ein Marrane — verzögerte seine Reise so sehr, daß derNuntius bereits Lissabon oder gar Portugal verlassen hatte. Es ruhtsogar der Verdacht auf ihm, daß er geflissentlich zeitiger als nötigwar, seinen Posten verließ, um nicht in die Lage zu kommen, dieseErgänzungsbulle (vom Oktober 1539) verkünden und ausführen zumüssen Denn auch Capodiferro war, wie sein Vorgänger della No-tiere, zuletzt mit den Marranen in Spannung und Mißstimmung ge-raten, weil sie seine übertriebenen Geldforderungen nicht befriedigenkonnten oder mochten,^) obwohl beide 30 000 Dukaten Juden- oderMarranengelder aus Portugal mitgebracht hatten?) Möglich, daß ervom Papste selbst die Weisung erhalten hatte, diese günstige Bullenicht offiziell werden zu lassen; sie war vielleicht nur darauf berechnet,die Marranen zu täuschen. Denn trotz aller Zerwürfnisse mit demportugiesischen Hofe wollte der kluge Paul III. — so gut er es auchinnerlich und aus Interesse mit den Marranen meinte — es nichtaufs äußerste treiben und mit dem König brechen und schonte daherdessen Empfindlichkeit.
So blieb denn der erbittertste Feind der Marranen, Don Henrique,tatsächlich, wenn auch nicht vom Papste anerkannt, Großinquisitorvon Portugal, und damit hatte die Zeit der Milde für die Marranenein Ende. Mehr als früher wurden seit der Zeit Scheiterhaufen fürdie hartnäckigen Ketzer angezündet, und es fielen seitdem mehr Schlacht-opfer zu zehn bis vierzig jährlich, ohne daß ihrer Berufung an denPapst Folge gegeben wurde?) Die Kerker füllten sich mit angeklagtenund verdächtigen Marranen?)
Grausig ist die Schilderung des zeitgenössischen Dichters S a-muel Usque von den Martern der portugiesischen Inquisition,die er selbst als Jüngling erlebt hat. „Ihr Eintreffen störte den Judendie Ruhe ihres Geistes, erfüllte ihre Seele mit Schmerz und Trauer,zog sie aus der Behaglichkeit ihres Hauses und brachte sie in dunkleKerker, wo sie unter Pein und Seufzern lebten. Da wirft sie (dieInquisition) die Schlinge um sie und schleift sie zum Feuer; da ver-hängt sie, daß sie ihre Söhne töten, ihre Gatten verbrennen, ihre
0 Herculano x. 252. ?) Das. ^ 254 fg.
h Das. x. 269 fg. -) Das. p. 322.
5) Inlorinnmoni Note 6. Herculano das. x. 303 Note.
H Herculano das. x. 325.
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