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Geschichte der Juden.
noch mehr zu fanatisieren, und den Nuntius in Verlegenheit zu bringen.Um jeden Verdacht abzuwenden, ließen die Neuchristen an denselbenPlätzen anschlagen: „Ich, der Verfasser, bin weder Spanier, nochPortugiese, sondern ein Engländer, und wenn ihr den Preis auf20 000 erhöht, werdet ihr meinen Namen doch nicht erfahren." Den-noch wurde der Urheber in der Person eines Marranen Emanuelde C o st a entdeckt?) Er wurde vor die Inquisition geladen, gestandalles ein, wurde dann vom Zivilgericht auf die Folter gespannt, umMitschuldige anzugeben und zuletzt — nachdem ihm beide Hände ab-gehauen worden waren — ans dem Scheiterhaufen verbrannt. DieMarranen sahen schlimme Zeiten voraus und viele derselben ent-flohen.?) In der Tat ergriff nun der König die Gelegenheit, die In-quisition strenger und blutiger auftreten zu lassen und dem Nuntiussein Spiel zu verderben. Der bisherige Großinquisitor Diogo deSilva, der sich auch bei diesem Vorfälle lässig benommen hatte, wurdebeseitigt und dafür der siebenundzwanzigjährige Bruder des Königs,Don Henrique, ernannt (Juni 1539), ein entschieden fanatischerFeind der Marranen. Der Hof fürchtete natürlich den Zorn der päpst-lichen Kurie, weil damit den ausdrücklichen Bestimmungen des Papsteszuwidergehandelt wurde, und sandte daher einen festen, rücksichts-losen Gesandten, Pedro Mascarenhas, nach Rom, der dieschwache Seite der Kardinäle und päpstlichen Nepoten kannte und dieMarranen an Bestechungen überbot. U Die wütendsten Fanatikerwurden sofort zu Inquisitoren ernannt — zum größten Ärger desNuntius und des Papstes. Joäo Soares, den der Papst selbstbeurteilte: „Er ist ein Mönch von wenig Wissen, aber von großerKühnheit und äußerstem Ehrgeize. Seine Gesinnungen sind die aller-schlechtesten, und er ist ein öffentlicher Feind des apostolischen Stuhles,dessen er sich noch rühmt,"ch dieser wurde zum unumschränkten Herrnüber das Leben der Scheinchristen gemacht und mit ihm zugleich einanderer, Doktor Mello, ein Erzfeind der Judenchristen.
Der portugiesische Hof hatte endlich Mut gefaßt, kräftig vorzu-gehen, anstatt bloß zu protestieren und zu verschleppen. Mit jedemTage verschlimmerte sich der Stand der Angelegenheiten für die Mar-ranen. Der Papst blieb zwar in der Verhandlung mit dem portu-giesischen Gesandten in drei Punkten unbeugsam fest, daß der JnfantDon Henrique nicht Großinquisitor bleiben dürfe, daß den der Ketzereiangeklagten Marranen die Namen der Zeugen, d. h. der Ankläger,genannt werden müßten, und daß endlich ihnen nach dem Urteils-spruch die Berufung an die Instanz der päpstlichen Kurie gestattet
U S. Note 6. 2 ) Herculano das. n, 207 Note.
2) Herculano das. II, x. 211 fg. Das. x. 220.