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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Neue Erbitterung gegen die portugiesischen Marmneu. 257

Mission zur Prüfung zu unterwerfen, ob sie nicht ungesetzlich bewilligtsei, und in diese Kommission wurde wieder der den Marranen günstigeKardinal Ghinucci gewählt und ein gleichgesinnter KardinalJacobacciv. Diese zwei wußten den dritten, den ehrlichen, aberbeschränkten Kardinal Simoneta, so sehr gegen die Inquisition ein-zunehmen, daß er den Papst bat, das von ihm selbst angerichtete Übel er hatte die Bewilligungsbulle ausgearbeitet durch Wider-ruf wieder gut zu machen. Ein neuer Nuntius wurde nach Portugalgeschickt, Gero uimo Riceuati Capodiferro, der ge-wissermaßen Vollmacht hatte, alle Handlungen der Inquisition gegendie Marranen zu vereiteln, diese zu schützen und namentlich ihre Aus-wanderung aus Portugal zu erleichtern. In der Instruktion, die derPapst ihm übergab, herrschte ein Ton der Erbitterung gegen den König,die fanatische Partei und die Inquisitoren?) Dem Nuntius schickteder Papst ein Breve nach (von: August 1537), wodurch er jedermannermächtigte und gewissermaßen ermunterte, den angeklagten MarranenSchutz und Beistand zu leihen gerade das, was in Portugal alsMitschuld und Teilnahme an der Ketzerei galt?) Capodiferro machteden weitesten Gebrauch von seinen Befugnissen; er warf sich zumRetter der Unglücklichen auf allerdings für Geld sprach die-jenigen frei, welche das Tribunal verurteilt hatte, und beförderte ihreFlucht außer Landes?) So liefen lauter Klagen an den päpstlichnHof ein, Klagen des Königs über den Skandal und die Beförderungvon seiten des Nuntius. Es mag in der Tat dem König wunderlichvorgekommen sein. Er hatte endlich eine Bulle, ein Tribunal, einenGroßinquisitor mit Kollegen und den ganzen Apparat der Menschen-schlächterei zur Ehre Gottes, und doch hatte er wiederum so gut wienichts. Denn Capodiferro machte deren ganze Tätigkeit unwirksamund eitel, und der Generalinquisitor de Silva, eben wegen seiner Mildegewählt, brachte mit Rücksicht auf den Nuntius nicht viel Brandopfer.

Ein Zufall mischte indessen das Spiel wieder zugunsten des Königsund der Partei der Fanatiker. Man las eines Tages (Februar 1539)in Lissabon einen an der Tür der Kathedrale und anderer Kirchenangehefteten Zettel des Inhalts, der Messias sei noch nicht gekommen,Jesus sei nicht der Messias gewesen, das Christentum sei eine Lüge.Ganz Portugal war natürlich über eine solche Lästerung entrüstet,und eine strenge Untersuchung wurde angestellt, um den Täter zu er-mitteln. Der König setzte einen Preis von 10 000 Crusados (Dukaten)auf dessen Entdeckung aus. Aber auch Capodiferro setzte dafür 5000Crusados aus, weil er mit vielen andern der Meinung war, es sei einvon den Feinden der Marranen geführter Schlag, um den König

0 Herculano II x. 185I9l. ") Das. x. 195 fg. h Das. x. 201 fg.

Graetz, Geschichte der Juden. IX. 17