250 Geschichte der Juden.
Clemens' Tod (25. September 1534) seinen guten Willen und ihreHoffnung vereitelt hat.
Unter seinem Nachfolger Paul III. Farnese (1534—1549)spielten die Intrigen in Betreff der Inquisition von neuem, undzwar anfangs zum Nachteil der Marranen?) Dieser Papst gehörtezwar noch der alten Schule der weltlich gesinnten, diplomatischen,nichts weniger als bigotten Kirchenfürsten an. Er war überhaupt einfein berechnender Kopf und nahm mehr auf irdische, als auf himm-lische Gewalten Rücksicht. Die kirchliche Reaktion, die sich währendseines Pontifikats durch die Theatiner und Jesuiten vorbereitete undalle Errungenschaften der Bildung und Gesittung inner- und außer-halb Italiens auf lange Zeit vereitelte, war nicht sein Werk; er warihr auch innerlich abgeneigt, und duldete sie nur oder bediente sichihrer aus Politik. Den Inden war Paul III. besonders gewogen.Wenn die Schilderung, welche ein beschränkter Bischof (Sadolet vonCarpentras) von dessen Judenfrenndlichkeit entwarf, auch nur teil-weise begründet war, so muß sie bedeutend genug gewesen sein.„Christen sind noch von keinem Papste mit soviel Gnadenbezeugungen,Privilegien und Zugeständnissen beschenkt worden, wie die Juden vonPaul III. Mit Ehrenvorrechten und Wohltaten sind sie nicht bloßgefördert, sondern sogar bewaffnet worden"?) Paul III. hatte seinenjüdischen Leibarzt an Jakob Mantin, der ihm einige seinerSchriften widmete?) Er verbot die Aufführung der Passionsvorstellungim Kolosseum, weil die Menge, von der drastischen Darstellung derangeblich durch die Juden verursachten Leiden Jesu fanatisiert, dieInden ans der Straße mit Steinwürsen zu verfolgen pflegte?) DenMarranen ans Spanien und Portugal, welche bei ihm Schutz vor derInquisition suchten, gestattete er, sich in Ancona und andern Städtender Romagna niederzulassen und erteilte ihnen ein Privilegium, daßsie nicht wegen Apostasie von der Kirche und wegen Ketzerei verfolgt
*) S- Jmanuel Aboab, XomoloZIn p. 292.
2 ) g.Molst Ilpistol-rs H. XII Nr. 5: ad Onrdinnlsm rllsxnndrniu
§nrnssinin von 1589: (jni polest vidsrs nmors rsliZstonis in suis provineiisImtsi'kuws psrssqni, gni in iisdsm provineiis tantopers sustiust Indnsos?Iininovsro s-nAst, ooudsoornt, bonsstnt? Xnlii snim nngnnm nllo a. pontiüosObristinni Arntiis, privilsAÜs, oonoessionibns donnti snnt gnod per bösesS.UN 08 a. i?-mlo III. pontiüos bonoribns, prasroAntivis, bsneüeiis non nnetisolnin, sed nrmnti snnt Indnei.
o) De Pomis de insdioo Hsbra.so p. 70: . . . knnlns III prasssrtimqui Ineob Aantini prasssntia. nsns omni tei'S in tempore luit. Bergl.darüber die Bibliographen über Mantin.
^) ^.lssza.ndro d'Xnoona,, stndii nslls saors rapprsssntnrioni, Florenz1877; Rsvns d. Lt. s. IX, 81 Note 3.