Verhandlungen wegen oes Bestandes der Inquisition in Portugal. 249
erklärte alle, Geistliche wie Weltliche, welche sich der Ausführungdieses Breve widersetzen würden, in den Bann, und schärfte seinemGeschäftsträger Marco della Rovere ein, es sofort in ganzPortugal bekannt zu machen. Nichtsdestoweniger blieb es ein toterBuchstabe. Ter portugiesische Hof war entrüstet über die den Mar-ianen durch Bestechung gewährte Begünstigung, beeilte sich keines-wegs, sie auszuführen, knüpfte vielmehr neue Unterhandlungen anund erlangte, obwohl Clemens sein Breve noch einmal bestätigte<19. Oktober), ^ einen Aufschub desselben (18. Dezember), bis derKönig seine Gründe zur Behauptung der Inquisition vorgebrachthättei) — als wenn die Sachlage auch nur in: geringsten dunkelgewesen wäre. Ter portugiesische Hof begnügte sich aber damit nochnicht, sondern machte alle Anstrengungen, dieses Breve vollständigwiderrufen zu lassen. Ein außerordentlicher Botschafter, Henriq n ede Meneses, wurde zu dem Zwecke nach Rom beordert (Februar1534), neben dein ständigen Gesandten dafür zu wirken, dem Papsteeine Strafpredigt wegen seiner milden Auslegung des Christentumszu halten und ihn auf das Beispiel seiner Vorgänger zu verweisen,welche die gewaltsame Bekehrung der Juden von seiten des west-gothischen Königs Sisebut gebilligt und im Sinne des Christentumsgefunden hätten. Man muß dem Papste Clemens VII. Gerechtigkeitwiderfahren lassen, er hat mit vieler Standhaftigkeit die Sache derMenschlichkeit für die unglücklichen Marranen gegen den blutdürstigenGeist des damaligen Christentums vertreten, wenn ihn auch dabeiandere, nicht so reine Beweggründe geleitet haben mögen: sein Haßgegen Karl V., welcher die Behauptung der Inquisition in Portugalbetrieb, und die Gier nach den Summen, die er und seine Höflingedafür einsteckten. Es fiel ihm schwer, die Marranen den Blutmenschenin Portugal ohne Gnade zu überliefern. Obwohl die Frage vielfachdurchgesprochen war, ließ Clemens von neuem eine Kommission darüberberaten, die aus zwei neutralen Kardinälen erwählt war, de Ce -s i s und Campeggio. Freilich durfte der Großpönitentiar, An-tonio Pucci, Kardinal de Santiquatro, obwohl parteiisch für den portu-giesischen Hof, dabei nicht fehlen. Nichtsdestoweniger hat diese Kom-mission die haarsträubendsten Unmenschlichkeiten der Inquisition gegendie Scheinchristen offiziell beurkundet. Infolge ihres Berichtes erließClemens VII. fast auf dem Totenbette (26. Juli 1534) — er fühltedamals schon sein Hinscheiden — ein Breve an den Nuntius am portu-giesischen Hofe, die Befreiung und Lossprechung der eingekerkertenMarranen energisch durchzusetzen.?) Ob diese, deren Zahl sich auf zwölf-hundert belief, dadurch ihre Freiheit erlangt haben? Es scheint, daß
ß Herculano p. 21 fg.
°) Das. n. 2l—66.