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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Bauernkrieg einen großen Teil von West-, Süd- und Mitteldeutsch-land zerrüttet. Städte und Dörfer waren in Not geraten. Um sichein wenig aufzuraffen, brauchten sie Barschaft, und diese verlangtensie von jüdischen Geldbesitzern auf Zins. Da sie aber nicht mit demGelds haushälterisch umzugehen verstanden und nicht Zahlung leistenkonnten, erhoben die christlichen Schuldner ein lautes Geschrei überdie Wucherei der Juden. Schon hatte Kaiser Karl und sein BruderKönig Ferdinand den Beschluß gefaßt, sie deswegen aus ganz Deutsch-land, Böhmen und Ungarn zu verjagen, als es dein rastlosen Joselinabermals gelang, die Herrscher von der Ungerechtigkeit der Anschul-digung zu überzeugen. Er war auf dem Reichstag in Augsburg vorzahlreicher Versammlung erschienen, wo die Entzweiung der Christen-heit ausgeglichen werden sollte, und er hatte die Freude, daß die beidenköniglichen Brüder Karl und Ferdinand seine Verteidigung anhörtenund die Vertreibung der Juden verboten?)

Joselin von Roßheim erlangte auch in Regensburg von denHerrschern die Bestätigung der Privilegien, welche Kaiser Sigismund denJuden gewährt hatte, daß sie unangefochten bleiben und Freizügigkeitgenießen sollten und besonders, daß es den Handeltreibenden unver-wehrt sein sollte, Frankfurt a. M. zur Messe zu besuchen. Auch regelteKaiser Karl die Verhältnisse des Darlehns und die Ausnahme, umKlagen wegen Wuchers zu verhüten?) Bis nach Flandern und Bra-bant, wo keine Juden wohnten wo er sich nur kümmerlich ernährenkonnte, war Joselin dem Kaiser nachgereist, hatte eine geheime günstigeAudienz bei ihm und konnte ein Gewebe von neuen Anschuldigungengegen seine Stammesgeuosseu zerreißen. Während der Monate, dieJoselin in den Niederlanden weilte, hat er eine Art Erbauungsbuchverfaßt?)

Als Joselin in Regensburg, wohin abermals, um den Schmal-kaldischen Bund der Protestanten zu sprengen, ein Reichstag aus-geschrieben war (1532) den Kaiser ausgesucht Hatte, um neue judenfeiud-liche Bestrebungen zu vereiteln, traf er mit Salomo Molcho zusammen.Der nüchterne Verteidiger der Juden und der kabbalistisch-messianischeSchwärmer konnten einander nicht verstehen. Joselin schrieb dringendau den marranischen Apostel, den Kaiser nicht zu reizen, da die Schwär-merei ihm und der Judenheit zum Nachteil ausschlageu würde. Dasich aber Molcho nicht warnen ließ, reiste Joselin eiligst ab, um nichtder Teilnahme verdächtigt zu werden?) Das Ende war, daß der

>) Joselius Tagebuch a. a. O. Nr. 1415 vom Jahr 1538.

2) Das. und Lsvus II 273 vom Jahre 1531.

o) Tageb. das. Nr. 16 vom Jahre 1531. Das Erbauungsbuch hat denTitel vipn ^->i.

Tagebuch Nr. 17 vom Jahre 1532.