Molchos Märtyrertod.
243
Kaiser Molcho und seinen bösen Geist, David Reubeni, in Fesselnschlagen ließ. Er führte darauf beide gebunden mit sich ans seinerReise nach Mantua. Die Fahne blieb in Regensburg zurtick. InMantua ließ der Kaiser ein Glaubensgericht znsammentreten, unddieses verurteilte Molcho als Abgefallenen und Ketzer zum Fenertode.Während der Kaiser sich seinen Aufenthalt in Mantua durch Triumphe,Feste, Jagden, Komödienspiel und Lustbarkeiten aller Art angenehmmachte, wurde der Scheiterhaufen für den Marranen aus Lissabon,Diogo Pires oder Salomo Molcho angezündet. Mit einem Knebelim Munde wurde er dahin geführt. Denn seine Beredsamkeit war sohinreißend, daß der Kaiser und das Tribual den Eindruck derselbenauf die Menge fürchteten, wenn er seine Zunge hätte gebrauchenkönnen. Darum verurteilten sie ihn znm Schweigen. Doch als dieHenkersknechte schon bereit waren, ihn in die lodernde Flamme zuwerfen, kam ein Bote des Kaisers, löste ihm den Knebel und fragteihn in dessen Namen, ob er sein Verbrechen bereue und in den Schoßder Kirche zurückkehren wolle, in diesen: Falle solle er begnadigt werden.Molcho erwiderte darauf, wie zu erwarten war, da er sich gewisser-maßen nach dein Märtyrertode gesehnt hatte, er wolle „als angenehmesGanzopfer auf dem Altar des Herrn aufsteigen." Seine Antwort lautete,er bereue nur eines, in seiner Jugend Christ gewesen zu sein. Manmöge mit ihn: nach Belieben verfahren, er hoffe, daß seine Seele inGott eingehen werde. Darauf wurde er auf den Scheiterhaufen ge-worfen und starb seelenstark (November/Dezember 1532).i)
Molcho fiel, ein Opfer seiner Phantasterei und seines Wahnes,in den er sich in steten: Kampfe mit der Wirklichkeit hineingeträumthatte. Die reichen Gaben, welche die Natur ihn: verliehen hatte:Schönheit, glühende Einbildungskraft, Fassungsgabe, Begeisterungs-fähigkeit, die für eine minder Phantastische Persönlichkeit Staffeln zumGlücke gewesen wären, brachten ihn: nur Verderben, weil er, inden Wirbel der Kabbala hineingerissen, damit das Erlösungswerkvollbringen zu können vermeinte. — David Reubeni erhielt nicht ein-mal den Glorienschein des Märtyrers. Karl ließ ihn nach Spanienbringen und ihn in einen Kerker der Inquisition werfen, wo er dreiJahre später noch lebte. Er soll zuletzt durch Gift aus den: Wege ge-räumt worden sein. 2 ) Das Glaubenstribunal hatte keine Gewalt über
>) Vergl. Frankel, Monatsschrift 1856 S. 260. Josselmanns Tagebuch gibtan, daß Molcho in Bologna verbrannt worden wäre. Es ist aber ein Irrtum.
2) Schwerlich ist der, bei Hsronluuo III x. 12 erwähnte „Jude vonMaputo", welcher in Evora I54l mit dem messianischen Schuhmacher LuisDias und anderen verbrannt wurde, identisch mit D. Reubeni. Die Stellelautet: t.ambsin salno o Inäeo cts ArMto, gns veio cla lucliu u ?urtn»a,ls, munitsstar-ss uos ssns, äirenäo Iss que era. o Asssias xromsttiäo s