Joselin vvn Rvßheim.
ä41
Gegend wohnen und Hausen sollte.*) In einigen Landstrichen hattensie bereits tätliche Angriffe auf Juden geinacht. Diese wären in denGegenden, wo Sieger und Besiegte schonungslos wüteten, vertilgtworden, wenn nicht Joselin ihnen einige Hilfe gebracht hätte. Ersuchte geradezu die Löwenhöhle auf. Er begab sich zu den Führernder Bauern im Elsaß, Haus von der Matten, Erasmus Gerber,Georg aus Roßheim und anderen, welche sich beim KlosterAlttorf in der Nähe von Roßheim aufhielten, und gewann sie durchsein Wesen und seine Geldmittel so sehr, daß sie versprachen, dieJuden im Elsaß unangefochten zu lassen. Er erlangte noch vvn ihnenein Schreiben an andere Haufen, daß sie den Juden kein Leidzufügen sollten, und erhielt auch Sicherheitsgeleite für jüdische Wan-derer. Die Elsässer Führer ließen durch Herolde bekannt machen, daßsich keine Hand gegen Juden erheben sollte.?) Mt seinem rastlosenEifer hatte Joselin seinen Wohnort Roßheim vor Zerstörung undPlünderung gerettet. Er hatte von den Führern erfahren, daß dieBauern am nächsten Tag einen Überfall der Stadt planten. Beiseiner Heimkehr in tiefer Nacht weckte er die Bürgermeister, sich eiligstzu dem Haufen zu begeben und ihn durch Unterwerfung und Leistungzu beschwichtigen; aber der eine Ratsmeister zitterte vor Augst, undder andere mochte den Schritt nur in Joselins Begleitung tun. DieFührer ließen sich darauf durch Bitten und Tribut für Schonung ge-winnen. Auf dem Rückwege dankte der Bürgermeister dem jüdischenAnwalt für seinen Dienst und sprach: „Du und Deine Kinder sollendie Früchte Deiner Wohltat genießen". Aber die Väter der Stadthaben sie ihm schlecht vergolten.^)
Zwei erlogene Anklagen drohten, die Vertilgung der Juden inDeutschland und den Nebenländern herbeizuführen. Der Sultan Su-leiman der Große hatte die Zwietracht in der Christenheit infolgeder Reformation benutzt, um weite Eroberungen zu machen. DieTürken hatten bereits Ungarn überschwemmt, Ofen genommen undwaren bis vor die Mauern Wiens vorgedrungen. Da hieß es, dieJuden wären an der Niederlage der christlichen Heere schuld, sie hättenden Türken Spionendieuste geleistet. Auf der andern Seite hatte der
>) Schaab, Geschichte der Juden von Mainz 123 nach Schnnk vomJahre 1525. Vgl. über das Schicksal der Juden während des BauernkriegesAlfred Stern in Geigers jüd. Zeitschr. VIII. Jahrg. 1870 57.
H Eli Scheid aus Aktenstücken in Usvus ck. Lt. ,s. XIII 251, Joselins Tage-buch das. XVI Nr. II. Daselbst muß gelesen werden: i- ubv bip wno.-,L-onw'.n nu statt des sinnlosen '' w-mb chr> bip. Der Passus woa inooibob bedeutet: die Führer der Bauern haben für die Juden sauve-Uomluits ausgestellt.
2) Scheid a. a. O.
Grnetz, Geschichte der Juden. IX.
16