Verfolgung der portugiesischen Marranen. 287
berichtete Molcho selbst in einem Sendschreiben an seine Freunde imheiligen Lande und beglaubigte sie durch Zeugnisse von den römischenGemeindevorstehern und durch Aussagen von Personen, denen er dasSchreiben übergeben hatte. Es ist also an der Wahrheit derselben nichtzu zweifeln. Er fügte in dem Sendschreiben hinzu, er habe noch mehrVerfolgungen und Schikanen von Juden erlitten, als er beschrieben,er wolle jedoch die Namen und Untaten seiner Feinde aus Schonungnicht nennen. Er erwarte die Zeit, in welcher Gott an ihn: Wundertun werde; denn es sei gerade jetzt die Zeit der Gnade und der Liebe.
Nach Molchos Entfernung aus Rom und besonders nach demTode des ihn und die Marranen besonders begünstigenden KardinalsLorenzo Pucci (August 1531) trat eine andere Stimmung in Betreffder Marranen ein. Ein neuer portugiesischer Unterhändler LuizAlfonso erlangte vom Papste, der dazu vom Kaiser Karl und vondein Großpönitentiar, Antonio Pucci, Nachfolger seines Oheims,gedrängt wurde, die so lang erbetene Bulle zur Einführung der In-quisition (ausgestellt 17. Dezember 1531), obwohl die Kardinale Egi-dio von Viterbo und Geronimo de Ghinucci sichdagegen ausgesprochen hatten. Als schämte sich dieser milde Papst,seine ehemaligen Schützlinge verfolgen zu lassen, gesellte er ihnen dieLutheraner zu?) Er war aber darauf bedacht, daß nicht die glaubens-wütigen Dominikaner Gewalt über die Marranen erlangten.Ein Franziskaner, der milde gesinnte Beichtvater des Königs, Diogode Silva, wurde zum Generalinquisitor von Portugal ernannt.Indessen wurden doch drei Bluttribunale errichtet, in Lissabon,Evora und Coimbra, und sie nahmen sich die spanischen vonTorquemado eingeführten und von Nachfolgern verbesserten, d. h. nochgrelleren Konstitutionen, zum Muster. Tie portugiesischen Marranenwaren noch viel schlimmer daran als die spanischen, nachdem der Königund die Granden ihnen ihre Gunst entzogen hatten; sie waren beimVolke längst so verhaßt, daß auch ehrbare Christen aus Fanatismusumherspähten, um sie anzugeben, während in Spanien Spione dafürgewonnen werden mußten?)
Als die Inquisition ihre fluchwürdige Arbeit beginnen sollte,dachten viele Marranen natürlich an Auswanderung. Aber wie schwerwurde ihnen die Flucht! Es ging ihnen wie ihren Vorfahren beiinAuszuge aus Ägypten, hinter ihnen her die Feinde, vor ihnen dasMeer mit seinen Gefahren und Schrecknissen. Es wurde ein Gesetzerlassen (14. Juni 1532), welches ihnen das Auswandern nach Afrika
y Bei Herculano das. S. 239.
2) Die Bulle bei Herculano das. S. 240.°) Das. II S. 40 fg.