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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Mvlchos messianische Predigte» in Italien. 231

nälen Bekenntnisfreiheit bewilligt worden war, ungefährdet, verbotihm aber, gegen das Christentum zu predigen. Molcho hielt sich nocheinige Zeit dort auf, seine Predigten wurden sehr besucht, selbst Geist-liche und vornehme Christen fanden sich in der Synagoge dazu ein.Er führte auch eine öffentliche Disputation mit einein Prälaten,scheint aber dadurch seine Sicherheit gefährdet zu haben, und begabsich infolgedessen mit den: Herzog von Urbino, Francesco Mariadella Rovere I., der sich von der Niederlassung der Marranenin seinem kleinen Staate Vorteile versprach, nach Pesaro. Es ließihm da aber keine Ruhe; er brannte vor Ungeduld, nach Nom zu reisen,um dort der Ankunft des Messias vorzuarbeiten. Mvlcho hatte aberkeine klare Vorstellung von dem, was er eigentlich beginnen sollte.Er erwartete daher eine höhere Eingebung, die, wie er glaubte, nichtausbleiben könnte. Mit Zurücklassung seiner Dienerschaft in Pesarobegab er sich, einem Traumgesichte zufolge, zu Roß allein nach Rom.Beim Anblick der ewigen Stadt, die Molcho gleich Luther für denSitz des Antichrists hielt, übermannten ihn seine Gefühle, und er ver-fiel in ein inbrünstiges Gebet, in welchem er um die Sündenvergebungund die Erlösung Israels flehte. Ta will er eine Stimme vernommenhaben, welche in sein Gebet einfiel und ihm in Bibelversen andeutete:Edom (Rom) wird Israels Erbe werden, sein Fuß wird wanken, Israelaber wird Sieg erringen." In dieser Stimmung zog er abends in RomsMauern ein, begab sich in eine christliche Herberge, gab vor, ungekannteine Geliebte aufsuchen zu wollen, und bat den Wirt, ihn zu einerVerkleidung behilflich zu sein. Er ließ dann sein Roß und seine Kleiderin der Herberge, zog Lumpen an, schwärzte sein Gesicht, umwickelteseine Füße mit schmutzigen Lappen und setzte sich unter das Bettelvolkan der Tiberbrücke, dein Palaste des Papstes gegenüber. Das sollteeine messianische Ausstaffierung sein; denn nach der Sage soll derMessias unter den Aussätzigen und Zerlumpten Roms weilen undvon dort aus zum Triumphe erweckt werden. Dreißig Tage hinter-einander führte der portugiesische Schwärmer ein solches Bettlerleben, kein Fleisch, trank keinen Wein, sondern begnügte sich mit der aller-dürftigsten Kost und erwartete eine prophetische Verzückung.

In dieser Abspannung der Körperkräfte und in der Exaltationdes Geistes fiel Molcho in einen tiefen Schlaf und hatte einen wirrenTraum, der darum merkwürdig ist, weil er sich zum Teil buchstäblicherfüllt hat. Ein Greis war ihm erschienen, mit dein er schon öfter imverzückten Zustande verkehrt haben will, der ihn nach dem heiligenLande versetzte, und er sah zwei Berge und Wesen in schneeweißenGewändern, von denen eines eine Rolle in der Hand hielt, in welcherdie Schicksale Roms verzeichnet waren, die mitzuteilen ihm aber ver-boten worden sei. Darauf fühlte er sich in: Traume wieder an die