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Geschichte der Juden.
Tiberbrücke versetzt, sah zwei Vögel von verschiedener Größe undFarbe, von denen der eine (nach Erklärung des Greises) bedeuten sollte,es werde eine verheerende Wasserflut über Rom und über ein Nord-land hereinbrschen, und ein Erdbeben werde sein Geburtsland Portugalin Schrecken setzen. Der kleinere Vogel deute an, daß die Flut keineallgemeine sein werde. Nach der Flut würden zwei Kometen mitgoldenen Schweifen sichtbar werden, die über Rom einige Tage zusehen sein würden, von denen wiederum der eine Gottes Zorn überdas sündhafte Babel, der andere Gottes Gnade für Israel bedeutensolle. Der Greis verkündete Molcho ferner im Traume, daß er vonseiten seiner Glaubensgenossen Verfolgungen erleiden werde. Nachsieben Monaten, wenn Molcho das dreißigste Jahr erreicht habenwerde, werde er in einen höheren Grad treten und in Byssusgewandgehüllt sein, dafür, daß er sich freiwillig dem Tode geweiht. Daunsolle er nach Rom zurückkehren, aber vor dem Eintreffen der Flut eswieder verlassen. Dann werde auf dem messiauischen König der heiligeGeist, der Geist der Weisheit und Einsicht ruhen, die Toten würdenaus dein Staube erwachen, und Gott werde seinem Volke Ruhmverleihen.
Ermattet von der langen Kasteiung und dein wirren Trauin-gesicht schleppte sich Molcho des Morgens nach seiner Herberge, ruhtesich aus, entledigte sich seiner Verkleidung und begab sich ins Freie,um Juden zu begegnen (Februar 1530). Da er noch völlig unbekanntin Rom war, gab er sich, um der Angeberei von seiten seiner Gegnerzu entgehen, für einen Boten des Salomo Molcho aus, der selbst inPesaro zurückgeblieben sei. Er wurde aber dennoch erkannt und alsaufwiegelnder Marrane den: Jnquisitionstribunal denunziert. Mitdem Papste und einigen Kardinalen hatte er aber schon früher ange-knnpft und ihnen die drohende Wasserflut verkündet. Clemens VII.,der seit einigen Jahren den Leidenskelch gekostet und Demütigungerfahren hatte, wie nur wenig Päpste vor ihm, der seinen TodfeindKarl V. in Bologna zum Köuig vou Italien und römischen Kaiserhatte krönen müssen (22. bis 24. Februar 1530), dessen Verschwö-rungei: und Verbindungen mit Frankreich und England sich als trüge-risch erwiesen hatten, war nur allzu geneigt, aus Träume und Visionenzu hören. Es mögen noch andere unbekannte Beziehungen zwischendem Papste und Molcho bestanden haben, in deren Folge jener diesen:eine überraschende Gunst zuwendete.Z Er hatte Zutritt zun: Papsteund einigen judenfreundlichen Kardinälen, Egidio von Viterbo, den:Schwärmer für die hebräische Sprache, Elia Levitas Gönner, Partei-gänger Reuchlins und der Humanisten, sowie auch zun: Kardinal
>) Siehe Note 5.