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Geschichte der Juden.
auch den König daran, daß der Papst Clemens VII. selbst vor kurzemeinigen Marranen gestattete, sich in Rom selbst offen zum Judentumszu bekennen. Dieser Papst, überzeugt von der Ungerechtigkeit gegendie Neuchristen, hatte ihnen nämlich mit Zustimmung des Knrdinal-kolleginms ein Asyl in Ancona eröffnet und ihnen gestattet, unbelcistigtdas Judentum zu bekennend) Auch in Florenz und Venedig durftensie ungestraft leben. Das päpstliche Konsistorium selbst habe sich dahinausgesprochen, daß die portugiesischen Marranen als Juden angesehenwerden sollten. Er wäre dafür, so sprach sich Coutinho in seinemGutachten darüber aus, daß statt der Neuchristen, welche der Schän-dung christlicher Heiligtümer angeklagt seien, die Zeugen gezüchtigtwerden sollten, weil sie falsches Zeugnis ablegten. Nur durch mildeBehandlung müßten die Neuchristen für den Glauben gewonnenwerden?) Endlich entschloß sich Joäo, die Frage dem Papste vorzu-legen, der, falls er die Einführung der Inquisition guthicße, ihn zu-gleich seines Wortes gegen die Marranen entbinden würde. Derportugiesische Gesandte am römischen Hofe, Bras Neto, erhieltden Auftrag, dafür eine Bulle vom Papste zu erwirken. Allein, wasin Spanien so leicht durch einen Federstrich bewilligt worden war,das kostete dem Könige von Portugal viele Anstrengung und Kämpfe,und er hat sich der Inquisition nicht recht erfreuen können.
In die Speichen dieses rollenden Rades griff nämlich die schwacheHand des liebenswürdigen kabbalistischen Schwärmers Diogo Piresoder Salomo Molcho ein. Er hatte sich vom Orient nachItalien begeben, um die mechanische Sendung, die er in sich fühlte,oder die man ihm zugedacht hatte, zu vollbringen. Er wollte in derchristlichen Welthauptstadt ohne Scheu vor Fürsten von der baldigenErlösung sprechen. In Ancona, wo er mit einem Gefolge eingetroffenwar (gegen Ende 1529), ^) stellten ihm, wie er erzählte, einige Übel-wollende nach; es waren wohl richtiger bedächtige Menschen, die vonseinem Auftreten imOrient Kunde erhaltenhatten, von seiner ungestümenMärtyrersucht Leiden für die Gesamtjudenheit oder wenigstens für dieMarranen in Italien, Portugal und Spanien befürchteten und darumihn beim Bischof von Ancona angaben, daß er als Neuchrist zum Juden-tum zurückgetreten sei. Ter Kirchenfürst lud ihn vor sich und stellte ihnzur Rede. Molcho soll furchtlos eingcstanden haben, er habe das Juden-tum vorgezogen, weil es die Wahrheit lehre. Ter Bischof entließ ihntatsächlich, als einen der Marranen, denen von: Papste und den Kardi-
0 Herculano das. p. 227; Jmauuel Aboab, HoinoloZ-in x. 294; Italien.Information State 6.
2) Hercnlano p. 224 fg. Die Sentenz Coutinhos ist in Schmidts Zeitschr.a. a. O. S. t78 von G. Heine als Anhang mitgeteilt.
2) Über alles Folgende s. Note 5.