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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

mit einer jüdischen Fahne zu Schiffe dahin. In Almeria, der Resi-denz des Königs Joäo III. bei Santarem, Ivo David (im November1525) mit einer zahlreichen Dienerschaft wie ein Fürst mit reichenGeldmitteln und mit einer schön gestickten Fahne eingetrvffen warF)wurde er ebenfalls mit Auszeichnung behandelt, und es wurde mitihm ein Plan verabredet, wie für die israelitischen Reiche in Arabienund Nubien Waffen und Kanonen von Portugal geliefert werdensollten. Davids Erscheinen in Portugal hat gewiß eine Umstimmunggegen die Marranen hervorgerufen und Joäo^) bewogen, die beab-sichtigte Verfolgung gegen sie fallen zu lassen. Zu einer so weitreichen-den Unternehmung brauchte er ihre Unterstützung, ihre Kapitalienund ihren Rat. Wollte er ein Bündnis mit einem jüdischen Königund seinein Volke eingehen, durfte er die Halbjnden in seinem Landenicht verfolgen. Darum erkaltete plötzlich sein Eifer für die Einführungder Inquisition in Portugal.

Man kann sich das Erstaunen und die Freude der Marranen inPortugal denken bei der Wahrnehmung, daß ein Jude nicht nur i»Portugal eingelassen wurde, sondern auch Zutritt bei Hofe erhieltund mit demselben in Verkehr trat! So hätte denn die Erlösuugs-stunde für sie geschlagen, nach der sie sich in tiefster Seele gesehnthatten! Unerwartete Hilfe sei für sie eingetroffen, Befreiung undRettung aus ihrer Angst. Sie atmeten wieder auf. Gleichviel obsich David Reubeni als messianischer Vorläufer ausgegeben hat odernicht, die Marranen hielten ihn dafür und zählten die Tage bis zurZeit, wo er sie das neue Jerusalem in herrlicher Pracht sehen lassenwürde. Sie drängten sich au ihn, küßten ihm die Hände und be-handelten ihn, als wäre er ihr König. Von Portugal aus drang dieangebliche Heilsbotschaft nach Spanien zu den dort noch unglücklicherenMarranen, die sich einem förmlichen Freudentaumel überließen. TerGemütszustand dieser Menschenklasse war ohnehin ungewöhnlich, ex-zentrisch und unberechenbar geworden. Täglich und stündlich dieSeelenqual erdulden, Religionsgebräuche mitmachen zu müssen, diesie im Grund ihrer Seele verabscheuten, und im Versteck die Vor-schriften des Judentums zu beobachten, in steter Gefahr dabei ertapptoder auch nur durch einen leisen Verdacht oder eine Denunziationin die Jnquisitionskerker geworfen, gemartert und zum Scheiter-haufen geschleppt zu werden! Es war kein Wunder, daß manchevon ihnen das Gleichgewicht ihrer Seelenkräfte verloren und in

h Siehe Note 5.

H Vergl. Kayserling, Geschichte der Juden in Portugal lL7 fg. Der vonJoäo cts 8ousu genannte ^.brubuin bsn Aumuiru, welcher zu Gunsten derPorlugiesen einen Waffenstillstand abgeschlossen hat, kommt auch in DavidsReisebericht vor: 'romL -non ^ on.o, .no'r? ll'ii.n-.n .-.nr: -'an: