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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

In Venedig angekvmmen, kehrte er bei keinem Inden ein, svn-dern blieb im Hause des Schiffskapitäns, der ihn dahin gebracht hatte;aber sein mitgebrachter Diener hatte indessen die Inden auf ihn auf-merksam gemacht; sie suchten ihn auf. Ein jüdischer Maler, M vse ,und ein angesehener reicher Mann, Mazliach (Felice), verwen-deten sich eifrig für ihn, obwohl er ihnen nur im allgemeinen ange-deutet hatte, er habe einen Auftrag für den Papst znm Wähle derJudenheit, und sie sollten ihm ein Schiff verschaffen, um so bald alsmöglich nach Rom gelangen zu können. In Rom angekommen(Februar 1524), ritt er auf einem weißen Roß mit einem Dienerund einem Dolmetsch an den päpstlichen Hof und erlangte gleich eineAudienz bei dem Kardinal Giuliv im Beisein anderer Kardinale.Auch vom Papste Clemens wurde er in Audienz empfangen undüberreichte ihm Beglaubigungsschreiben.

Clemens VII. (auf dem päpstlichen Stuhle 15231534) wareiner der edelsten Päpste, ans dem florentinisch-mediceischen Hanse,in unehelicher Geburt erzeugt, klug und milde, der von dem Be-streben beseelt war, Italien unabhängig von den Barbaren, d. h.von den Deutschen zu machen. Aber seine Regierung fiel in eine Zeit,wo Europa aus den Angeln gehoben war. Auf der einen Seite drohtedie von Luther ausgegangene Reformation, die täglich Riesenfvrt-schritte machte, das Papsttum zu untergraben, und auf der andernSeite drückte die Wucht des in der Hand Karls V. vereinigten großenReiches von Spanien und Deutschland, wozu noch Burgund und einTeil von Amerika gehörten, auf Italien, und es war nahe daran,in sklavische Abhängigkeit vom Kaiser zu geraten. Überwarf sich Cle-mens mit dem Kaiser, so begünstigte dieser die Reformation undmachte Miene, die päpstliche Gewalt einzuschränken. Versöhnte ersich mit ihm, so geriet Italiens Freiheit in Gefahr. So war er trotzseines festen Charakters in steter Schwankung und nahm, wie diemeisten seiner Zeitgenossen, zu astrologischen Künsten seine Zuflucht,um das, was menschliche Klugheit nicht voraussehen konnte, durchKonstellation zu erfahren. Clemens war kein Fanatiker, überhauptmehr weltlich als geistlich gesinnt und seinem Verwandten Leo X.ähnlich; daher war er auch milde gegen die Juden und schützte sie vorVerfolgungen.

In dem kleinen Kirchenstaate innerhalb Frankreichs, in der Graf-schaft Venaissin, in den größeren Städten Avignon und Carpentras,wo auch Inden aus Spanien sich angesiedelt hatten, waren diese unddie Urbewohner nicht bloß geduldet, sondern mit außerordentlichenFreiheiten bedacht. Sie durften unbeschränkt Handel und Gewerbetreiben. Sie waren befreit von dem lästigen Zwang, Bekehrungs-predigten anzuhoren, welche früher Päpste und Konzilien ihnen auf-