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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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David Reubeni.

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damals Lebenden leichtgläubig gemacht. Sie waren darauf gefaßt,das Unglaublichste verwirklicht zu seheu. Die Köpfe, die noch vonmittelalterlichen Vorstellungen befangen waren, zweifelten nichtdaran, daß sich auch die verbreiteten geographischen Fabeln durchueue Entdeckungen bewahren würden. Die Christen hofften auf dieAuffindung des Reiches des fabelhaften Priesters Johannes, in den:das Urchristentum seinen Sitz habe. Tie Könige von Portugal, dieAnreger der Entdeckungen neuer Läudergebiete, hatten eigensKundschafter nach Asien und Afrika gesendet, dieses Land aufzusuchen.Tie Juden hatten erwartet, daß eines Tages die verschwunden ge-glaubten israelitischen Zehustämme in irgend einem Winkel von Asienaufgefunden, und daß selbst der fabelhafte Fluß Sabbationoder S a m bati o n , der an den Werktagen fließe und am Sabbatstillstehe, mit den daran wohnenden M osessö h neu, die dasuralte Judentum bewahrten, irgendwo entdeckt werden würden. Nunwar ein Abgesandter angeblich unabhängiger israelitischer Stämme inDavid Reubeni in Venedig cingetroffen. Welch ein Wunder! TiePhantasie der europäischen Juden war die zuverlässigste Bundes-geuossiu für diesen Abenteurer: sie bahnte ihm den Weg. Sein an-geblicher Reisezweck, den er halb durchschimmern ließ und sein Dienerganz ausplnuderte, erhöhte noch die Erwartung. Es hieß, er sei vonseinein Bruder, der über dreimal huuderttausend auserwählte Kriegergebiete, und von den siebzig Ältesten des Landes Chaibar au dieeuropäischen Fürsten, namentlich an den Papst abgeordnet, um vonihnen Feuerwaffen und Kanonen zu erwirken, um damit einerseitsdie mohammedanischen Völker, welche die Vereinigung dies- undjenseits des roten Meeres wohnender jüdischer Stämme hinderten,zu bekämpfen und anderseits mit den kriegstüchtigen jüdischen Armeendie Türken aus dem heiligen Lande zu jagen.

David Reubenis Person und Benehmen trugen dazu bei, ihmGlauben zu verschaffen. Beides hatte etwas Fremdartiges, Geheimnis-volles, Exzentrisches. Er war von schwarzer Hautfarbe, zwerghaftund von einer Magerkeit, welche durch anhaltendes Fasten ihn zumdurchsichtigen Skelett machte. Dabei besaß er Mut, Unerschrockenheitund ein barsches Wesen, welches jede Vertraulichkeit feruhielt. Ersprach nur hebräisch, aber in einem so verdorbenen Jargon (wahr-scheinlich nach fremder Aussprache und ungrammatisch), daß ihn wederdie asiatischen, noch die südeuropäischen Juden verstanden. Er gabvor, nie Talmud gelernt zu haben, noch überhaupt die jüdische Lite-ratur zu kennen, sondern ein Krieger zn sein, der in einer einzigenSchlacht vierzig Mann erschlagen habe. Später stellte es sich aberberaus, daß er in den kabbalistischen Dusel eingeweiht war und nurUnwissenheit heuchelte.