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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

eine politische oder Abenteurerrolle zu spielen gedachte, hat in der-selben Zeit eine tiefgehende Bewegung in der Judenheit veranlaßt,und davon sind die Marranen im äußersten Westen berührt worden.David, der Abstammung nach wohl ein M o r g e n l ä n d e rder eine geraume Zeit in Arabien und Nubien geweilt, trat nämlichplötzlich in einer eigentümlichen Rolle in Europa auf und erwecktedurch Wahrheit und Dichtung unerfüllbare Hoffnungen. Er gab sichnämlich als Abkömmling des angeblich unabhängig in Arabien lebendenaltisraelitischen Stammes Reuben aus, und zwar als Prinz nndBruder eines dort regierenden jüdischen Königs, vormals Joseph,und ließ sich daher T avid Reubeni nennen. In Arabien hatteer sich tatsächlich aufgehalten und zwar in der Landschaft Chaibarim nördlichen Hegas, wo zur zeit Mohammeds und noch später unab-hängige jüdische Stämme wohntenA) Möglich, daß noch im sechzehntenJahrhundert neuerdings eingewanderte Juden ihre Unabhängigkeit vonden herrschenden, mohammedanischen Stämmen durchgesetzt hatten.Aber daß diese Juden Überbleibsel der ehemaligen Stämme Reubenund Gad waren, und daß sie unter einem jüdischen Herrscher standen,der noch dazu aus der Tavidischen Konigssamilie stammte, (wie DavidReubeni erzählte), war unstreitig ein von ihn: erfundenes Märchen.

Dieser Mann mit einer großen Lust an Abenteuern und Irr-fahrten verließ Chaibar (Dezember 1522), wanderte mehrere Monatein Nubien umher, öfter unter mohammedanischer Verkappung, wollteauch dort zwischen den: weißen und blauen Nil Überbleibsel ehemaligerStämme gefunden haben und traf endlich in Ägypten ein. Tort er-zählte er zuerst sein Märchen von einem mächtigen jüdischen Staate inChaibar, scheint aber wenig Glauben gefunden zu haben. Auch inPalästina, wo er mehrere Monate weilte, (März bis Juni 1523),scheint er kein geneigtes Ohr für seine abenteuerlichen Erzählungenund Pläne gefunden zu haben, und reiste daher über Alexandriennach Venedig (Februar 152-l). In diese ehemalige Weltstadt, dieVermittlerin zwischen Europa und Asien, war bereits von Palästinaaus der Ruf von dem Sendboten der altisraelitischen Stämme undseinen Fabeln gedrungen und hatte die Neugierde rege geinacht. Tiekurz aufeinanderfolgenden Entdeckungen neuer Welten zum großenStaunen des damaligen Geschlechtes, das mit einem Male von Län-dern, Menschen, Sitten und Dingen reden hörte, von denen manbis dahin in dem engen Gehäuse der mittelalterlichen Geographiekeine Ahnung hatte, diese alltäglich gewordenen Wunder hatten die

ü Siehe Note 5.

n Vergl. Band V S. 69 ff. und Band V Note 10. Von unabhängigenStämmen in Arabien im 16. Jahrh. liefern nicht ganz unglaubwürdige Zeug-nisse Isaak Akrisch im 121 : gegen Ende und Abr. Megasch Predigten o'.ii-x .