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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Ioäo III. und die Mcirrnnen in Lissabon.

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cmf die Macht ihrer Ordensgenossen in Spanien, bestürmten den Königmit Klagen über das lästerliche Verhalten der Marranen gegen denJesusglauben und drangen daraus, deren Treiben durch Einführungder Inquisition zu steuern.*) Ioäo III. trug infolgedessen einen: Be-amten, Jorge Themndo, ans, das Leben der Marranen inLissabon, ihrem Hauptsitze, zu beobachten und ihn: Bericht darüber zuerstatten. Wie dieser ausgefallen ist, läßt sich Non selbst denken; allzurechtgläubig und christkatholisch fromm waren die Neuchristen keines-wegs. Liebe zum Christentums konnte nun einmal in ihren Herzenkeine Wurzel fassen. Themudo wich wohl nicht weit von der Wahrheitab, wenn er dem Könige mitteilte (Juli 1524), daß einige MarranenSabbat und Passahfesi beobachteten, daß sie dagegen die christlichenRiten und Zeremonien so wenig als möglich mitmachten, nicht derMesse und den: Gottesdienste beiwohnten, nicht zur Beichte gingen,beim Sterben nicht die letzte Ölung verlangten, ihre Leichen in jung-fräulicher Erde und nicht in Kirchhöfen beerdigten, daß sie für ihreverstorbenen Verwandten keine Seeleninesse halten ließen und ähnlichesmehr.?)

Ioäo hatte sich aber mit Themudvs Bericht nicht begnügt, sonderneine spionierende Aufpasserei gegen die Marranen veranstaltet. Einaus Spanien eingewauderter Neuchrist, namens Henrique Nu-tzes, der später den kirchlichen Ehrennamen Firme-Fe erhielt,wurde vom König dazu gebraucht. Dieser hatte sich in der Schule desBlutmenschen Lncero (o. S. 207) zum glühenden Marranenhasserausgebildet, und es war sein sehnlichster Wunsch, auch in PortugalScheiterhaufen für sie entzündet zu sehen. Ihm gab der König denförmlichen, natürlich geheim gehaltenen Auftrag, sich in die Familiender Neuchristen einzuschleichen, mit ihnen wie ein Bruder und Leidens-genosse zu verkehren, sie zu beobachten und ihm seine gesammeltenErfahrungen mitzuteilen. Von Fanatismus und Haß gegen seineStammesgenosseu verblendet, merkte Nutzes gar nicht, welch eineverwerfliche Rolle als genreiner Spion ihn: zugeteilt wurde. Er über-nahm den Auftrag nur allzu willig, erfuhr die Geheimnisse der seelen-gemarterteu Marranen in Lissabon, Evora und anderen Orten undberichtete alles, was er gesehen und vernommen, in Briefen an denKönig. Mit dem Bruderknsse verriet er sie, die. ihn in jede Falte ihresHerzens blicken ließen. Er berichtete an den König nicht nur, daß siekeine katholischen Gebetbücher in ihren: Hause, keine Heiligenbilderauf ihren Schmucksachen und auf Tafelgeschirr hätten, daß sie keineRosenkränze gebrauchten und dergleichen mehr, sondern er gab auch

erculano, p. 18l f., 188, 206 fg.

'ns p. 189 fg.