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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

gleichgestellt seien, und daß sie auswandern durften, und durch einanderes (1512), daß sie noch sechzehn Jahre wegen ihres religiösenVerhaltens nicht vor ein Gericht gestellt werden sollten.*) Die alt-christliche Bevölkerung blieb indes aus Rassenantipathie und Brotneidgegen die neuchristliche feindselig und erbittert. Aufreizende Schriftengegen die Marranen wurden an öffentlichen Plätzen angeschlagen.Manoel selbst wurde fast gegen seinen Willen Wiederuin zu Beschrän-kungen gegen sie hingerissen. Er verbot ihnen, abermals das Aus-wandern aus Portugal und unterhandelte schon mit dem Papste Leo X. trotz wiederholter Zusicherung von Straflosigkeit wegen Judai-sierenseine Art Jnquisitionsgericht für sie einzuführenA) Der KönigManoel wurde gewissermaßen von dem Fluche seiner Untat gegen dieInden verfolgt, er konnte ihre unheilvolle Wirkung nicht bemeistern.

Eine andere Wendung nahm das Verhältnis der portugiesischenMarranen unter seinen: Nachfolger Joäo III. (15221557), jenemDummkopf, der den Ruin seines Landes geradezu herbeigeführt hat.Schon als Jnfant galt er als entschiedener Feind der Neuchristen. Zwarachtete er anfangs die Bestimmung seines Vaters, sie den Altchristengesetzlich gleichzustellen und keine Untersuchung wegen ihres Religions-verhaltens bis zur abgelaufenen Frist anstellen zu lassen (1522, 1524)3).Aber diese günstige Nachsicht verdankten die Marranen den älterenRäten seines Vaters, welche einerseits noch erfüllt von der gewaltsamenArt bei deren Bekehrung waren und anderseits die Nützlichkeit derselbenfür das Gedeihen dieses kleinen damaligen Großstaates zu würdigenwußten. Dein: die Marranen waren die nützlichste Volksklnsse wegenihrer Tätigkeit, ihres Großhandels, ihrer Bankgeschäfte und ihrer Kunst-fertigkeit, selbst als Waffenschmiede und Kanonengießer. Sie warenim Alleinbesitze der nützlichen Kenntnisse der Medizin und Naturwissen-schaften, und was damit zusammenhing. Es gab in Portugal fast nurjüdische, d. h. marranische Ärzte und Apotheker.^) In dem Maße,als sich entgegengesetzte Einflüsse aus Joäo geltend machten, und ersich jener Räte allmählich entledigte, erlangte seine fanatische Stimmunggegen die Neuchristen die Oberhand. Die Königin Katharina,eine spanische Infantin, von Bewunderung für das Glaubensgerichtihres Vaterlandes erfüllt, und die blutdürstigen Dominikaner, neidisch

') Bei Heine a. a. O. S. 159; Herculano das. x. 153 fg. Llorente, In-«imsition en LgxaZ-ns II x. 99. Bergt, das. II p. 42 Note, wo nachgewiesenist, daß, da das erste Jndulgenz-Privilegium, 1497 ausgestellt, für 20 Jahredauern sollte, so liefen diese 1517 ab, durch die Prolongation auf 16 Jahredauerte also die Jndulgenz bis 1533.

si Urkunde bei Herculano von 1515 das. x. 162 fg.

°) Am besten das. x. 178 fg. 207. Die Frist sollte also erst IbN ablaufen.

») Das. I x. 186, II x. 30, 275.