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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Gemetzel unter den Marranen in Lissabon. 213

lebendig zu den Scheiterhaufen zerrten. Schwangere Frauen.wurdenans den Fenstern geworfen und von Draußenstehenden ans Spießenaufgefangen, und die Frucht wurde öfter weithin geschleudert. Ammeisten wurde Jagd auf den verhaßten Zollpächter Mascarenhasgemacht, der sich tags zuvor aus seinem Hause, wo er bereits belagertwar, gerettet hatte. Als er gefangen und erkannt wurde, kühlte jeder-mann, auch Weiber und junge Mädchen, ihren Fanatismus an ihm.Jedermann stieß, stach und schlug ihn; wer nicht einen Hieb oder Stichseinem Leibe versetzen konnte, glaubte nicht selig werden zu können.Tann wurde sein Hausmöbel zertrümmert und nach dem Domini-kanerplatz geschleppt, um einen eigenen Scheiterhaufen für ihn anzu-zünden. Es war aber nicht genug Holz für den Brand vorhanden,da schossen deutsche Matrosen in heiliger Einfalt Geld für Brenn-material zusammen und fühlten sich ganz selig, das Mascarenhas aufihrem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Auch am dritten Tage dauertedas wahnsinnige Gemetzel fort, namentlich in der Umgegend vonLissabon, wohin sich Marranen geflüchtet hatten. Das Bauernvolkfolgte dem Beispiele des hauptstädtischen Gesindels. Schändungen anFrauen und Jungfrauen fehlten nicht bei dieser fanatischen Hetzjagd.Ein marranisches Mädchen, ans deren Keuschheit ein Mönch einenAngriff gemacht hatte, tötete ihn mit seinem eigenen Messer. Ver-gebens forderte der Gouverneur die Vvlksmassen im Namen desKönigs auf, vom Morden, Rauben und Plündern zu lassen, vergebensermahnte er die Mönche, ihre aufwiegelnden Kruzifixe in die Kirchezurückzustellen. Sie hielten es für eine fromme Tat, die Neuchristenzu morden und deren Güter an sich zi?ziehen. Doch legte sich nach undnachder Sturm, nachdem Mascarenhas'Tod bekannt geworden war, undder Gouverneur an verschiedenen Plätzen aufgegriffene Mörder hattehangen lassen. Es gab auch keinen Marranen weiter zu erschlagen.Die Zahl der umgekommenen Neuchristen wird zwischen 2000 bis 4000geschätzt. Selbst alte Christen wurden bei dieser Gelegenheit von ihrenFeinden erschlagen. Der König war natürlich über dieses Gemetzel ent-rüstet; war es doch halb gegen seine Nachsicht gegenüber den Marranengerichtet. Er ließ daher viele Rädelsführer fangen und bestrafen, zweiaufwieglerische Mönche wurden verbrannt. Die Bürgerschaft büßte ihreSelbstregiernng ein, weil sie nicht tatkräftig gegen das Mordgesindelaufgetreten war.

Durch dieses Gemetzel war das Los der Marranen in Portugalgefallen. Das Volk wurde durch die Parteinahme des Königs für sieum so erbitterter gegen sie und sehnte sich nach ihrer Vertilgung.Ihr Leben hing also nur von der augenblicklichen Gunst des Königsab. Vergebens fuhr Manuel fort, sie zu beschützen. Er bestimmtedurch ein Dekret (vom März 1507): daß die Neuchristen den alten