Geschichte der Juden.
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nötiger als ein Fenerwunder"?) Bei dieser Äußerung fielen dieWeiber über den unvorsichtigen Marranen her, schlugen und rauftenihn, Männer kamen dazu und schlugen ihn tot. Auch seinen Bruder,der ihm zu Hilfe gekommen war, tötete die aufgeregte Volksmenge.Richter und Polizeimänner, welche die Mörder verhaften wollten,wurden verfolgt und mit dem Tode bedroht, so daß sie sich in einHaus retten mußten.
Durch diese Vorgänge entstand ein'Auflauf in der Stadt. EinDominikaner forderte die an der Kirche versammelte Volksmenge ineiner wütenden Predigt zur Ermordung der verdammten Neu-christen auf, weil der König sie begünstige, und zwei andere, IoäoM o ch o und Fratre Bernardv , zogen gar mit Kreuzen durchdie Straßen unter dem Rufe „Ketzerei, Ketzerei'" Die ganze Volks-Hefe der unruhigen Hauptstadt kam in Aufruhr, und zu ihr geselltensich deutsche, niederländische und französische Matrosen, die Gelegen-heit zum Plündern benutzend. So zogen nahe an 10 000 Mörderdurch die Stadt und erschlugen die Marranen, Männer, Frauen,Kinder, wo sie sie antrafen, auf den Straßen, in den Häusern undVerstecken. Auf dem Platze der Dominikanerkirche, dem Ausgangs-punkte der Bewegung, wurde ein lodernder Scheiterhaufen ange-zündet und Marranen darauf verbrannt. Dorthin schleiften die Bubendie Leichname der Gefallenen an Stricken und schichteten zwei großeHaufen davon auf. Sv ging es die ganze Nacht hindurch. Von Sonn-tag nachmittag bis Montag gegen Mittag sollen fünf- bis sechshundertMarranen auf solche elende Weise umgekvmmen sein.
Damit war aber das Gemetzel noch lange nicht zu Ende, sondernwurde noch zwei Tage fortgesetzt. Ein Deutscher, der damals inLissabon anwesend war, berichtete: „Am Montag bekam ich Dingezu sehen, die fürwahr unglaublich zu sagen oder zu schreiben sind,wenn man sie nicht selber gesehen hat, von so großer Grausamkeitsind sie. Ich sah drei Mönche in der Stadt umlaufen, jeder mit einemKreuze und sie schrien: „Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! Wer demChristenglauben und dein Kreuze beistehen will, der komme zu uns,wir wollen gegen die Inden kämpfen und sie alle totschlagen!" Sowurde das Kreuz abermals eine Fahne für Mörder, die den Trägerndesselben in verschiedenen Haufen nachzogen, die Marranen aus ihrenVerstecken bei Christen und selbst aus Kirchen zogen und sie tot oder
') Nachrichten über dieses Gemetzel bei sämtlichen portugiesischen Chronisten;neue Quellen i der Bericht eines deutschen Augenzeugen (o. S. 210), ferner eineKlageschrift der Marranen für den Papst, die G. Heine und Herculano benutzthaben x. 142 fg. Von jüdischer Seite Salomon Jbn-Verga a. a. O., der angibt:
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