204 Geschichte der Juden.
Kabbeln überzeugt waren und sich daher den Neuerungen nur matt-herzig widersetzteu.
Es konnte nicht fehlen, daß die hohle Kabbala in den hohlenKöpfen Schwärmerei erzeugte. Wie bei den Essäern, so war auch beiden sohnristischen Mhstikern die Messiashoffnung der Angelpunkt ihrerganzen Lehre. Das messianische Reich oder das Himmelreich oderdas Reich der sittlichen OrdnungH zu fördern und das Eintreffen des-selben durch Buchstaben- und Zahlenspielereien im voraus zu berechnenund zu verkünden, das war ihr Hauptaugenmerk. Isaak Abrabanel,obwohl der Kabbala nicht zugetan, hatte dieser messianischen Schwär-merei aus frommer Besorgnis Vorschub geleistet. Tie gehäuftenLeiden der wenigen Überbleibsel von den Juden Spaniens und Portu-gals hatten vielen den Mut gebrochen und die Aussicht ans bessereZeiten geraubt. Nicht bloß Ungebildete, sondern selbst gelehrte undfromme Männer gaben die so lang gehegte Messiashoffnung auf,wie einen süßen Traum, dem jede Möglichkeit zur Verwirklichungfehle. Ter jüdische Stamm sei für immer zum Leiden geboren, werdenimmermehr von dem Drucke erlöst werden, nimmermehr zur Freiheitund Selbständigkeit gelangen.
Diese Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung seiner Landsleute, die,wenn nur sich greifend, die Wünsche der Kirche erfüllt hätten, schmerztenden im innigsten Glauben bewährten Isaak Abrabanel, und er machtesich daran, diesem gefährlichen klnmute entgegenzutreten. Er ver-faßte drei Schriften,ch um aus der^Bibel, namentlich aus dem BucheDaniel und aus agadischen Sentenzen, den, wie er glaubte, aller-strengsten Beweis führen zu können, daß Israel auf eine glänzendeZukunft fest bauen dürfe, und daß die Messiaszeit unfehlbar eintreffenmüsse. Mit dein ganzen jüdischen Schrifttum und auch mit der christ-lichen Literatur, mit Geschichte und Geographie vertraut, konnte Abra-banel dieses Thema gründlicher als bisher behandeln und entgegen-stehende Ansichten, sei es von jüdischer oder christlicher Seite, widerlegen.Tie Wärme, mit der er diesen Stoff behandelte, stammte eben so sehraus seinem Kopfe wie aus seinem Gemüte, denn die Messiashoffnungwar für ihn ebenso sehr eine feste Überzeugung, wie eine Herzens-angelegenheit. Man verzeiht dein mehr von Leiden als von: Altergebrochenen sechzigjährigen Abrabanel, der diese Schriften mit zittern-der Hand geschrieben, die herbei: Ausfälle gegei: die Schriftsteller,
h Komment, zum Daniel mxs, vollendet 1. lebst — 6. Dez. 1496(gedr. Ferrara 1551); II. über messianische Stellen in den Agadas M'e-L oyir-,voll. 2V. liebet — 26. Dez. 1497 (Karlsruhe 1826); III. über messianischeStellen in den Propheten und Psalmen .->>>,voll. 4. ^.llnr — 26. Febr.1498 (Salonichi 1526).