Ascher Lämmlcin.
205
welche den Messiasglauben nicht anerkannt (Galipapa) oder ihm eineuntergeordnete Stellung innerhalb des Judentums angewiesen hatten(Aldo) i), da es ihn: eine Herzenssache und ein Notanker war. Aberer ging in seiner Rechtfertigung der Messiashoffnung zu weit, er wolltezuviel beweisen und geriet dadurch ebenfalls in kindische Spielerei.Nach seiner Berechnung müßte die messianische Zeit notwendigerweiseim Jahre 5263 seit der Weltschöpfung (1503) anbrechen und die Voll-endnng derselben mit dem Falle Roms, etwa vier Jahreswochenspäter, eintreten.2) Seine Berechnung war aber ebenso willkürlichund erwies sich ebenso trügerisch, wie die seiner Vorgänger, Saa-dies, Abraham benChijas , N a ch m a n^i s und G e r s o-nide s' lwelche drei übereinstimmend 1358 als das messianische Jahrbezeichnet batten) und ebenso eitel wie die Vorausverkündigungen desA b r a h a m A b u l a f i a , des Mosede Le o n (im Sohar) undanderer Kabbalisten.
Diese so bestimmt von einein besonnenen Manne, einer hoch-geachteten Persönlichkeit verbürgte messianische Berechnung scheint, ver-bunden mit anderen kabbalistischen Träumereien einen Schwärmer auf-geregt zu haben, für die allernächste Zeit das Eintreffen der messianischenErfüllung zu verkünden. Ein Deutscher, Ascher Lümmlein(oder Lämmlin)3), ^rat in Istrien in der Nähe von Venedig als mecha-nischer Vorläufer auf (1502). Er verkündete, daß, wenn die Indenstrenge Buße, Kasteiungen, Zerknirschung und Wohltätigkeit be-tätigten, der Messias nach einem halben Jahre unfehlbar eintreffeumüsse. Eine Wolken- und Feuersäule werde ihnen, wie beim Auszugaus Ägypten, vorangehen, um sie ungefährdet nach der heiligen Stadtzu führen. Als Zeichen soll er angegeben haben, sämtliche christlicheKirchen würden plötzlich einstürzen. Die Gemüter waren durch dieLeiden und den kabbalistischen Dusel für solche krampfhafte Erwar-tungen empfänglich. Ascher Lämmlein hatte daher einen Kreis vonAnhängerngewonuen, welcheseine Verkündigung verbreiteten. Sie fandin Italien und Deutschland Anklang und Glauben. Es wurde vielgefastet, viel gebetet, viel gespendet. Man nannte die Zeit das „Buß-jahr". Alle bereiteten sich zun: Eintritt des Wunders vor. Manrechnete sv gewiß auf die Erlösung und Rückkehr nach Jerusalem, daßman das Bestehende geradezu niederriß. Die Nüchternen und Be-sonnenen wagten nicht, der allgemeinen Schwärmerei entgegenzu-treten. Selbst Christen sollen an Ascher Lämmleins messianische
y Vergl. B. VIII^ S. 32, 177. Abrabanels Ausfälle gegen dieselben imWerk 1 x. 91, II p. 15, 17 und Ans. von III, auch in seinem enien emi.
') Im Jahre 1531 und 1532. Bergl. Abrabanel I p. 78, 86, 102, 122;II x. 6b, 12 e; III p. 16 b, 221.
b) Siehe über ihn Note 3.