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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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201
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Leon Abrabanel.

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Erstgeborenen, behielt Leon Medigo die Geisteskraft, sich in die neuenVerhältnisse zu schicken, sich in italienische Sprache und Literatur zuversenken und die zerstreuten Züge philosophischer Gedanken in seinemKopfe zu einem einheitlichen Bilde zu sammeln und abznrundcn.In kaum zehn Jahren seit seiner Flucht aus Spanien konnte er alsgelehrter Italiener gelten, konnte mit den feingebildeten Männerndes mediceischen Zeitalters an Geschmack wetteifern und sie noch anVielseitigkeit des Wissens übertreffen. Mit derselben Feder, mit derer seinem in Portugal im Scheinchristentum erzogenen Sohne einenherzzerreißenden Ermahnungsbrief in hebräischen Versen schriebdesJudentums stets eingedenk zu bleiben, die hebräische Sprache undLiteratur zu Pflegen und sich die Trauer seines Vaters, den Schmerzseiner Mutter zu vergegenwärtigen, die den ganzen Tag um ihnweine und seinen Namen rufe"/) mit derselben Feder schrieb er seineDialoge der Lieb e", worin sich der Faden der tiefen LiebePhilos zu Sophia hindurchzieht. Dieser scheinbare Romanbildet den Rahmen zu Leon Medigvs philosophischem Systeme. VonHause aus mit der aristotelischen und maimunischen Philosophie ver-traut und in Italien mit der platonischen oder vielmehr neuplatonischenMetaphysik bekannt geworden, hatte er beide in seinem Kopfe zueinem einheitlichen Ganzen verschmolzen. In fließendem anmutigenItalienisch wickelt sich das Wechselgespräch zwischen Philo und Sophiaüber die höchste Bestimmung des Menschen ab.

Das Lebensprinzip des Weltalls ist, nach Leon Abrabanel, dieinnige Liebe und das Verlangen jedes Wesens, eins für das anderezu sein. Sie ist der lebende Geist, welcher die Welt durchdringt,das Band, welches das All einigt. Mit Liebe hat Gott die Welt hervor-gebracht. Er regiert und verbindet auch die Geisteswelt mit der Körper-welt mittels der Liebe. Diese Liebe muß aber gegenseitig sein. TieSeele des Menschen muß ihrem Schöpfer Liebe entgegentragen, dannerreicht sie ihr Ziel. Dieses besteht in Tugend und Weisheit. Dadurchwird die höchste Glückseligkeit der Menschen erzielt, gewissermaßen einwonnevolles Genießen der Gottheit. Durch die Jnnigkeit des Verhältnissesder Menschen zu Gott wird die ganze Natur veredelt und zur Bereinigungmit der Gottheit gebracht. Dies istungefähr derHauPtgedanke derLiebes-dialoge Leon Medigos. Das Ganze klingt mehr wie eine philosophischeIdylle, denn wie ein strenges System; es herrscht darin mehr Phantasieals Gedanke vor, und die darin niedergelegten Bemerkungen sind mehrsinnig als wahr. Dem Judentnme stehen seine Liebesdialvge durch-aus fern. Wenn auch manche biblischen Anschauungen und sogar tal-mudische Aussprüche eingeflochten sind, so verschwinden diese gegen