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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Umständen konnte nichts Großes, Gemeinnütziges, Allgemeines zu-stande kommen. Tie geistlichen Führer, obwohl im allgenreinensittlich und auch innig religiös, beugten sich nicht selten vor den Reichenihrer Gemeinde, sahen ihrem Übermut und ihren Ungebührlichkeitennach und traten ihnen nicht mit Mut entgegen. In Padua z. B. gabes einen reichen Deutschen, namens HerzWerthei m, welcher dieEitelkeit hatte, mit seinem Wappen (einem Hirsch) zu prunken. Erließ ein Ornament mit seinem Wappen aus Perlen anfertigen und wolltees in der Synagoge anbringen. Der greise Rabbiner der deutschenGemeinde Juda Menz, hielt es für imgesetzlich, solchen auf-schneiderischen eitler: Prunk im Gotteshause zuzulassen. Herz Wertheim,der ein Gegner dieses würdigen Mannes war, wollte aber seiner: Willendurchsetzen und fand manche Rabbiner, die, vor: seinen: Reichtumbestochen, ihr: darin zun: Verdrusse des Juda Menz unterstützten.i)Streitigkeitei: und Reibungen zwischen Rabbiner: waren die Folger:dieser zerfahrener: Zustande.?)

Schlimmer noch als diese Zersplitterung irr lauter Gememde-atorne war die Gebrochenheit der Kraft, der kleinliche Geist, das gewisser-maßen an: Bodenkriechen nicht bloß unter den Juden deutscher Zunge,sondern: selbst unter der: Schichten der sefardischer: Auswanderer. Nurwem: es galt, für das von der: Väterr: Überkommene zu sterben, zeigter:sich alle groß und heldenmütig; sonst war die Tätigkeit auch der Großenaufs Kleinliche gerichtet. Keine neue Bahn wurde eingeschlagen, selbstnicht beim Anblick der täglichen Umwälzungen ir: der christlicher: Welt.Diejenigen, welche sich noch auf der Höhe der Wissenschaft hielten,wandelten meist auf betretener: Bahner: und trater: sie nur noch breiter.Die vorherrschende Richtung war, das Alte und die Men zu erläutern,Kommentarien zu schreiben, sogar Kommentarien zu Kommentarien(Superkommentarien). Die Talmudisten legier: den Talmud unddie philosophisch Gebildeten MaimunisFührer" aus. Aufschwungund hoher Geistesflug fehlten ganz und gar. Kein Laut echter Poesieentströmte den: Munde derer, welche doch an dieser Brust groß ge-zogen worden waren, nicht einmal ein markerschütterndes Klagelied,das den Schmerz zu verklären vermag, hallte aus dieser Zeit wieder.Die einzige Erscheinung, welche eine Veränderung der Lage und derZeit beurkundete, ist das Interesse an geschichtlichen Erinnerungen,freilich meistens auch nur unter den Juden pyrenäischer Abkunft. Diesetrachteten danach, die grenzenlosen Leiden, die sie erduldeten, dennachfolgenden Geschlechtern aufzubewahren. Die neuen Leidenbrachten ihnen die alten seit der grauen Vorzeit in frische Erinnerung

') D.esxp. Joseph Karo Nr. VS.

?) Bergt. Nsspp. Merr von Padua dir., -tv.