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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Zersplitterung unter den Juden.

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tums waren infolge der gehänsten Leiden und der verkehrten Richtungvon den Satzungen und Ritualien überwuchert. Beim Bvlke fehltedie Innerlichkeit der Religion und bei den Führern die Klarheit desGeistes. Werktätigkeit und scholastischer Tunst waren auch unter denJuden heimisch. Im Gottesdienste wurde die Erhebung und imGeschäftsleben der redliche Sinn vermißt. Ter Syuagogenritushielt krampfhaft alles fest, was aus dem Altertum überkommen war,füllte sich mit unverständlichen Bestandteilen und hatte im ganzeneinen unschönen Charakter. Predigten gab es in den deutschen Ge-meinden und ihren anderweitigen Kolonien so gilt wie gar nicht, höchstenstalmudische Vorträge, welche dem Volke, namentlich dem weiblichenGeschlechts, unverständlich waren und daher das Gemüt kalt ließen.Tie spanisch-portugiesischen Prediger bedienten sich zwar der klang-vollen Sprache ihrer Heimat: aber ihre Vorträge waren von scholastischemWust erfüllt und für die Laienwelt nicht weniger unverständlich.

Bei deil Gemeinden auf der Insel Kaudia war es von Alters herSitte, wenigstens am Versöhnungstag nachmittags den PropheteilJona iil griechischer Sprache vvrzulesen. Tiefen Gebrauch faud derdortige Rabbiner, der noch zu den Gebildeten gehörte, Elia Kapsali,durchaus anstößig und wollte ihn beseitigt wissen. Der Rabbiner vonPadua, M elr K a tz e n e l l e n b o g e n, der auf eine Anfragedessen Fortbestehen befürwortete, machte nicht innere Gründe dafürgeltend, sondern lediglich rabbinischeU) Tie Erbauung und Belehrungdes Volkes kamen wenig oder gar nicht in Betracht.

Ein Ubelstand war auch die zäh unterhaltene Zersplitterung derGemeinden. Tie Hetzjagd gegen die Juden hatte in größeren StädtenItaliens und der Türkei Flüchtlinge aus der pyrenäischen Halbinsel undDeutschland zusammengewürfelt, die, weit entfernt, sich mit der Ur-gemeinde zu verbinden, sich vielmehr gegeneinander absperrten. Esgab daher iil manchen Städten fast ebenso viel Gemeindegruppen,als es Landschaften oder Städte in deren jeweiligem Mutterlandsgab (o. S. 28). Kastilianische Gemeinden schlossen sich gegen aragonischeund katalonische ab, lind apulische gegen kalabresische. Tie aus Lissaboneingewanderten Juden mochten sich nicht einmal mit den übrigen portu-giesischen verbinden.-) ES gab daher z. B. iil Konstantinopel, Adrianopel,Salonichi, Arta (Larta) in Griechenland und vielen anderen Städteneine bunte Karte von Gemeinden, von denen jede ihren eigenen Vor-stand, Synagogenritus, Rabbiner, Lehrhänser, Armenpflege, ihreneigenen Dünkel und gegenseitige Eifersüchteleieil hatte. Unter diesen

U Uespp. Me r Katzeriellenbogen von Padua Nr. 78.

-) Vergl. darüber Ls8pil. Gam. Jbn-Jachja (a'nr" rum) Nr. 108 p. 82 e;Hespli. Mose di Tram I. Nr. 307, II Nr. 18.