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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

aus unbekannten Hindernissen unterblieben?) Natürlich blieben diechristlichen Lehrer der hebräischen Sprache Vvn den jüdischen Meisternabhängig; sie konnten keinen Schritt ohne diese tun. Als PaulusFagius, reformatorischer Priester und Jünger Reuchlins, einehebräische Druckerei in Jsny anlegen wollte, berief er Elia Lebita dahin;diese Einladung nahm er an, weil er in Not war und für seine chal-däischen und rabbinischen Wörterbücher keinen Verleger fand. PaulFagius waren diese Werke gerade sehr lieb, weil sie ihm den Schlüsselzu der von christlichen Gelehrten so sehr gesuchten Kabbala zu bietenschienen?)

Durch die Reuchlinsche und Luthersche Bewegung kam auch dieso lange vernachlässigte Bibelkenntnis einigermaßen in Schwung.Judentum und Christentum beruhen auf der heiligen Schrift, unddoch war diese gerade den Bekenner» beider Religionen durchwegfremd geworden. Dieses herrliche Denkmal einer gnadenreichen Zeitwar von so vielen Hüllen verschleiert, von dem Spinngewebe zumeistsinnloser Auslegungen so sehr eingeschlossen und überhaupt durch dasBeiwerk so sehr verunstaltet, daß es seinem wahren Werte nachvollständig unkenntlich geworden war. Weil man alles in der heiligenSchrift suchte und hineindeutelte, fand man gerade den wahren Sinnnicht. Den: christlichen Laienvolke war die Bibel seit langer Zeit unzu-gänglich geworden, weil das Papsttum deren Übertragung in dieVolkssprache aus instinktmäßiger Furcht untersagt hatte. So kanntendie Gläubigen nur Bruchstücke daraus, nur abgerissene Texte, und auchdiese nicht einmal recht, weil sie durch die verkehrte Auslegung entstelltwaren. Selbst Geistliche fanden sich nicht heimisch darin, weil sie sienur aus der lateinischen Sprache der Vulgata kannten, und diese denGrundgedanken der biblischen Wahrheiten oster durch Unverstandund Verkehrtheit verwischt hatte. Es war daher eine wichtige Tat,als Luther in seiner Einsamkeit auf der Wartburg die Bibel, das alteund neue Testament, in die deutsche Sprache tibersetzte?) Luther mußtedazu, wie schon angegeben, etwas Hebräisch lernen nnd Juden nm Aus-kunft fragen. Es war den damals Lebenden, als wenn das Gottesbucherst neu geoffenbart worden wäre; diese reine Stimme hatten sie nochnicht vernommen. Ein frischer Hauch strömte den Menschen darausentgegen, als die Wälle entfernt waren, welche diese Lebenslust desGeistes so lange abgesperrt hatten. Das klassische Altertum hatteden Geschmack eines kleinen Kreises gebessert, das hebräische Altertumdagegen hat das ganze Geschlecht verjüngt, ihm wieder Sinn für Ein-

*) Frensdorf a. a. O.

H Levita wurde berufen und weilte daselbst 15101511.

b) De,, von Luther ins Deutsche verdolitietschte Pentateuch erschien 1523,die historischen Schriften, Hiob, Psalter, Salomonische Schriften 1524. t