Luther für die Juden.
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fuhren, daß, wer ein guter Christ gewesen, hätte wohl mögen ein Judewerden. Und wenn ich ein Jude gewesen wäre, und hätte solche Tölvelund Knebel den Christenglauben regieren und lehren gesehen, so wäreich eher eine San geworden als ein Christ, Tenn sie haben mit denJuden gehandelt, als wären es Hunde und nicht Menschen, haben nichtsmehr tun können, als sie schelten. Sie aber sind Blntsfreunde, Vetternund Brüder unseres Herrn; darum, wenn man sich des Blutes undFleisches rühmen soll, so gehören die Juden Christo mehr an denn wir.Ich bitte daher meine lieben Papisten, wenn sie müde geworden, michKetzer zu schimpfen, daß sie nun anfangen, mich einen Inden zu schelten."
„Darinn wäre mein Rat," so führt Luther fort, „daß man säuber-lich mit ihnen (den Juden) umgehe; aber nun wir mit Gewalt sietreiben und gehen mit Lügenteiding um und geben ihnen schuld, siemüßten Christenblut haben, daß sie nicht stinken und weiß nicht, wasdes Narrenkrams mehr ist, — auch daß man ihnen verbietet, unter unszu arbeiten, hantieren und andere menschliche Gemeinschaft zu haben,damit man sie zu wuchern treibt, wie sollen sie zu uns kommen? Willman ihnen helfen, so muß man nicht des Papstes, sondern der christlichenLiebe Gesetz an ihnen üben und sie freundlich annehmen, mit lassenwerben und arbeiten, damit sie Ursache und Raum gewinnen, bei unsund um uns zu sein. "H Das war ein Wort, wie es die Juden seit einemJahrtausend nicht gehört hatten. Man kann darin Renchlins milde Ver-wendung für sie nicht verkennen. Luther hatte zwar dabei den Zweckim Auge, die Juden durch freundliche Behandlung für das Christentumzu gewinnen, aber diese Neben- oder Hauptabsicht war ihm, der soganz in seinem Christusideal lebte, nicht zu verdenken. Manche heiß-blütige Inden sahen dagegen in der Auflehnung der Lutheraner gegendas Papsttum den Untergang der Jesuslehre überhaupt und denTriumph des Judentums. Drei gelehrte Juden kamen zu Luther,um ihn für das Judentum zu gewinnen.?) Es galt überhaupt nicht mehrfür zeitgemäß, auch in katholischen Kreisen nicht, nach dein göttlichenStrafgerichte die Juden totzuschlagen oder zu verfolgen. Was auchSophisten dagegen höhnend einwenden mögen, so bleibt cs doch wahr,es bildet sich in jeder ausgeprägten Geschichtsepoche ein Zeitgeist,den jeder widerwillig respektieren muß. Das Menschliche hatte sich inder Zeit der humanistischen Bewegung und im Anfang der Reformationehe sie durch allzu theologische Konseguenzmacherei verwilderteeine Macht errungen und die Anforderungen des Kirchlichen zumSchweigen gebracht. Diesem Zeitgeist mußten selbst die Stockkirchlichenihren Tribut zollen. Mit Bedauern sah ein Kirchenfürst (Bischof
In Luthers gesammelten Schriften, Ausgabe von 1841, polemischeSchriften, B. III.
°) Luthers Schrift, von den Juden und ihren Lügen, Anfang.