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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Hadrians IV., jenes beschränkten Parteigängers von Hochstraten,der durch seine guten Eigenschaften und strenge Sittlichkeit noch mehrverdarb, indem er durch den Versuch, Zucht, Keuschheit und Einfachheitin die römische Kurie einzuführen, sich im Kardinalskolleginm undunter den Höflingen erbitterte Feinde machte und daher in seinen Unter-nehmungen gelähmt wurde. Die Gemüter waren für die Reformationvorbereitet; sie faßte daher in Norddeutschland, Dänemark und Schwedenfeste Wurzel, drang in Preußen, Polen und anderseits in Frankreichund sogar in Spanien ein, in das Land düsterer, dumpfer Kirchlichkeitund blutdürstiger Verfolgungssncht. Zwingli, der Reformatorder Schweiz, sagte sich nach vielein Schwanken ebenfalls vom Papsttumlos, und so wurden auch da wo mehr Freiheit der Bewegung alsin den: geknechteten Deutschland herrschte der neue Gottesdiensteingeführt, Priesterehen eiugesegnet, Bilder und Kruzifixe zerstört undKlöster aufgehoben. Eine neue Ordnung der Tinge war eingeführt,das allmächtige Rom war gegenüber dem neuen Geiste ohnmächtigSchwärmereien der Wiedertäufer begannen die Gemüter zu erhitzenund alle Lebeusverhältnisse umzugestalten.

Für die Juden hatte Luthers Reformation anfangs nur eine geringeWirkung. Sie bestand darin, daß, da sich Katholiken und Neuerernamentlich in Deutschland in jeder Stadt in den Haaren lagen, siekeine Mnße zu Judenverfolgungen hatten; es trat daher hier einekleine Pause ei». Luther selbst, dessen Stimme bereits mächtiger alsdie der Fürsten klang, nahm sich ihrer anfangs an und strafte die viel-fachen Beschuldigungen gegen sie Lügen. In seiner derben Weiseäußerte er sich gleich anfangs darüber:Diese Wut'(gegeu die Juden)verteidigen noch einige sehr abgeschmackte Theologen und reden ihrdas Wort, indem sie aus großem Hochmut daher plaudert, die Judenwären den Christen Knechte und dein Kaiser unterworfen.Ich bitte euch darum, sagt mir, wer wird zu unserer Religion über-treten, wenn es auch der allersanftmütigste und geduldigste Menschwäre, wenn er sieht, daß sie so grausam und feindselig und nicht alleinnicht christlich, sandern mehr als viehisch von uns traktiert werden? Die meisten Passionsprediger (in der Osterwoche) tun nichts anderes,als daß sie der Juden Mutwillen, den sie au Christo verübt, sehr schwerund groß machen und die Herzen der Gläubigen wider sie erbittern,"^)In einer eigenen Schrift, deren Titel schon die verbissenen Juden-feinde stutzig zu machen geeignet war:Daß Jesus ein ge-ll o r e u e r I u d e gewese n" (1523), sprach sich Luther noch derbergegen den uuvertilgbareu Judenhaß aus:Unsere Narren, die Papisten,Bischöfe, Sophisten und Mönche, haben bisher also mit den Juden ver-

U Luthers Auslegung des 22. Psalmes vom Jahre IS 19.