Fortschritt der Reformation.
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Deutsche übersetzt wurde), stellt ihn bereits recht anschaulich als Urheberder großen immer mehr um sich greifenden Bewegung dar. Sieläßt einen Doktor, dessen Name Capnion (Reuchlin) auf dem Rückenzu lesen, auftreten, ein Bündel krummer und gerader Reiser auf dieBühne hinwerfen und sich entfernen. Eine andere Figur (Erasmus)bemüht sich vergebens, die Stäbe zu ordnen und die krummen geradezu biegen, schüttelt den Kopf über das Chaos und verschwindet. AuchHutten kommt darin vor. Luther erscheint im Mvnchsgewande, bringteinen Feuerbrand und zündet die krummen Reiser an. Eine andereFigur in kaiserlicher Tracht schlägt mit dem Schwerte auf das nur sichgreifende Feuer und gibt ibm dadurch noch mehr Spielraum. Endlicherscheint der Papst, will loschen, greift nach einem Eimer, der aber vollOl ist, gießt es ins Feuer und schlägt die Hände über dem Kopf zu-sammen wegen der hell aufloderuden Flammen, die nicht mehr zuersticken gehen?) Pfefferkorn und der Talmud hätten in dieser stummenKomödie nicht fehlen sollen; denn diese haben den Zunder zu demBrande geliefert.
Schon lagen die Verhältnisse derart, daß jeder Luftzug den Brandnur noch mehr begünstigte. Luther hatte auf dem Reichstage zu WormsStandhaftigkeit und Mut erlangt und durch sein: „Hier stehe ich, ich kannnicht anders" oder durch ein anderes Festigkeit verratendes Wort denBruch mit dein Papsttum vollendet. Obwohl der Kaiser Karl durcheigenen bigotten Sinn, von Finsterlingen belagert, und von Fürsten,auch vom König Manoel von Portugal und Heinrich VIII. von Englandermahnt, geneigt war, den Reformator als Ketzer den: Scheiterhaufenzu überliefern, so ließ er ihn doch, teils aus Rücksicht auf den KurfürstenFriedrich von Sachsen, teils aus politischer Berechnung, den Papstdadurch in Händen zu haben, ungefährdet abziehen und erklärte ihnerst einen Monat später in die Reichsacht. Indessen war Luther bereitsauf seinem Patmos, auf der Wart b urg , verborgen und geborgen.Während er hier in der Stille an einer deutschen Übersetzung der Bibelarbeitete, wurde im Wittenbergischen von den reformatorischen Ultras,Karlstadt und anderen, alle kirchliche Ordnung nmgestoßen, derGottesdienst in den Kirchen verändert, Messe und Priesterornamenteabgeschafft, die Mönchsgelübde aufgehoben und Priesterehen ein-geführt — d. h. die Priester erklärten ihre bisherigen heimlichen Kon-kubinen öffentlich als ihre Gattinen, wozu Luther — wenn anwesend —vielleicht nicht die Hand geboten hätte. Günstig für den Fortgang derReformation war auch der Tod des Papstes Leo X. und die Wahl
>) Forstcmaim, Jahrbücher für wissenschaftl. Kritik, S. 229. Vergl. Uevnsäs äsux inonäss, Jahrg. 1868, p. IV4fg. In München wurde 1524 dieKomödie gedruckt, und gespielt wnrde sie in Paris im Saale des Königs. Estraten darin die Figuren Reuchlin, Erasmus, Hutten, Luther und der Papst auf.