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Geschichte der Juden.
Mit teuflisch boshafter Schadenfreude weidete sich Pfefferkornan dem Elend der Regensburger Inden und zählte mit innerer Be-friedigung auf, aus welchen deutschen Städten seine ehemaligenGlaubensgenossen bereits ausgewiesen waren, nämlich aus Cöln,Augsburg, Straßburg, Nürnberg, Nördlingen,Speyer, Eßlingen, Reutlingen und Colmar. Erlegte noch in seiner letzten Schmähschrift Bürgermeister, Rat und Bürger-schaft von Frankfurt und Worms ans Herz, den letzten großen deutschenGemeinden — in Worms gab es noch ein Lehrhaus mit achtzig Talmnd-jüngern^) — dem guten Beispiele zu folgen und von dem Nutzen,den die Juden ihnen brächten, um Christi willen abzustehen. Derjunge Kaiser, meinte er, werde nichts dagegen haben, da er den Judennicht sehr gewogen sei. Sie möchten es aber ebenso rasch wie die Regens-burger machen, die Synagogen zu schleifen, abznbrechen und um-zuwerfen und auf deren Plätzen Kapellen und Kloster zu bauen. IhrVermögen dürften sie ihnen mit Fug und Recht sogar mit GottesBewilligung abnehmend)
Pfefferkorns giftige letzte Schrift hatte indes für den Augen-blick nicht die Wirkung, weder zum Nachteil der Juden, noch zu demReuchlins. Die Frankfurter und Wormser Gemeinden wurden damalsnicht ausgewiesen, und Reuchlin wurde in seinen letzten Lebensjahrennoch mehr geehrt. Die Universität Tübingen bat ihn eindringlich,einen Lehrstuhl in ihrer Mitte einzunehmen. Er durfte nun frei überhebräische Sprache Borträge halten, wozu sich viele Zuhörer, selbstStudenten von der Heidelberger Universität, drängten, während eres früher, vor dem Streite mit den Dominikanern, nur heimlich vorwenigen Zuhörern tun konnte. So hatten sich die Ansichten derMenschenwährend des kurzen Zeitraumes verändert. Wenn Pfefferkorn einscharfes Auge für diese Veränderung gehabt hätte, hätte er sich wieein Mordbrenner Vorkommen müssen, der aus Rache oder angeborenerBosheit eine baufällige Stadt in Brand gesteckt und dafür eine neue,schönere, geräumigere aus der Asche entstehen sieht. Sein Bileams-fluch hatte sich in Segen verwandelt. Pfefferkorns Name ist seit dem Er-scheinen seiner letzten Schrift vollständig in Vergessenheit geraten. DasAndenken Reuchlins dagegen wurde im Laufe der Zeit immermehr ge-segnet. Er starb zwar als Katholik (30. Juni 1522), aber er war dochdurch seine Inschutznahme der talmndischen Schriften der erste Haupt-anreger der Reformation und galt auch in seiner Zeit dafür. Die geist-volle st umme Komödie, welche kaum zwei Jahre nach seinemTode in französischer oder lateinischer Sprache erschien (und bald ins
*) Gemeiner, das. S. 380.
Pfefferkorn, Mitleidig Klag zum Schluß.