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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Vertreibung der Juden^aus Regensbnrg. 183

mit dem freudigen Gefühl, daß der Tvd den Prozeß zu ihren Gunstenentschieden hatte. In der Ratsstnbe, in den Znnftvcrsammlnngen,in den Wein- und Bierhäusern war man einig darüber, die günstigeGelegenheit während der Kaiserdakanz schnell zur Vertreibung derJuden zu benutzen. Die Dominikaner- und Franziskanerprediger,namentlich Hubmaier, hatten bereits gut vorgearbeitet. Ter Rat nahmdie Sache in die Hand, wollte aber, nach echt deutscher Peinlichkeit,die empörende Ungerechtigkeit auf gesetzlichem Wege vollstrecken. Eswurde daher beschlossen, daß die Geistlichkeit, die erste Anregerin, dieSache aussühren sollte. Aber der Bischof und das Domkapitel, obwohldamit einverstanden, hatten doch Bedenken. Man zauderte; da äußerteeiner der Beisassen, der mehr Mut hatte:Wer viel fragt, begegnetviel Antwort, man solle nicht soviel über die Verbannung der Judenverhandeln, sondern nur zufahren. Wer Gott, Maria, Ehr und Rechtliebt, wird die Notwendigkeit einsehen!" Infolgedessen wurde vondem engern und weitern Rat und den Zunftmeistern, der Beschlußgefaßt (Februar 1519), an die Ausweisung der Juden herzhaft zugehen, ihn aber bis zum Tage der Ausweisung geheim zu halten. DieJuden hatten zwar Wind davon bekommen und sich beeilt, bei demkaiserlichen Regiment in Innsbruck Anzeige davon zu machen und umSchutz zu flehen. Aber dieser traf zu spät ein. Die ganze Bürgerschafthatte bereits den Plan verabredet und die Ausführung in Szene gesetzt.Die Handwerker erschienen in Masse vor dem Rathause (21. Februar1519) und verlangten ungestüm Gehör. Ihr Wortführer setzte mitlauter Stimme auseinander, wie die Stadt einzig und allein durchdie Juden heruntergekommen und verarmt wäre. Aller Handel seiin deren Hände geraten. Sie hätten Getreide fürs Ausland aufgekauft,den Weinhandel von Schwaben und das Eisengeschäft von den Hammer-meistern an sich gerissen. Die Stadt habe durch sie in den letzten vierJahrzehnten 132 000 Gulden Schaden erlitten. Nun sei die Stundegekommen, sich diese verfluchten Leute vvm Halse zu schaffen und ans-zurotten. Wenn der Rat nicht auf ihr Gesuch eingehen wollte, sowürden sie selbst Hand an die Juden legen. Das war alles abgekartetesSpiel. Die Ratsherren brauchten einen Vorwand, daß die Hand-werker einen Druck auf sie ausgeübt hätten, und daß das Leben derJuden bedroht gewesen wäre, so daß deren Ausweisung zu ihrereigenen Sicherheit geschähe. Der Rat zog sich scheinbar zur Beratungzurück und in der kürzesten Zeit eröffnete er den Handwerkern, wassie gebeten, sollte ihnen gewährt werden. Sofort begaben sich dieMitglieder des Rates in das Judenviertel und verkündeten den Be-wohnern, daß sie nicht länger geschützt werden könnten, und daß sie infünf Tagen die Stadt verlassen müßten. Sie könnten allerdings ihreHabe mitnehmen, doch müßten sie ihre Pfänder zur Bürgschaft für