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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Schuldforderuugeu au sie zurücklassen. DieSynagoge des Teufels",in der sinnverwirrten Sprache jener Zeit genannt, sollten sie binnenzwei Stunden räumen, weil sie sofort niedergekissen und in eine Kircheverwandelt werden sollte. Der Jammer der an 500 Seelen zählendenJudenschaft war groß, rührte aber die Steinherzen der RegensburgerChristen wenig. Alles, was sie den Unglücklichen gewährten, war eineGalgenfrist von drei Tagen (bis Ende Februar). Ihre ausstehendenSchulden wurden ihnen für eine Pauschsumme von 6000 Gulden ab-gekauft; aber ihre Habseligkeiten konnten sie nicht losschlagen, weil dieWachen an den Toren des Judenviertels den Christen den Zugang zuihnen verwehrten. So mußten sich denn die Juden in das Unab-änderliche fügen und die Stadt verlassen, die sie seit deren erster Ent-stehung bewohnt und mit deren Bürgern sie ehemals auf dem bestenFuße gestanden hatten, von denen sie während des allgemeinenGemetzels zur Zeit des schwarzen Todes geschützt worden waren. Großwar das Elend der Verbannten; die Schwachen und Kranken starbenschon auf dem Wege zu den Schiffen; die meisten von ihnen ließensich in der jenseits der Donau liegenden Stadt am Hof unterdem Schutze der Herzöge von Bayern nieder.

Die Bürgerschaft hatte noch vor dem Abzüge der Juden nichtsEiligeres zu tun, als die aus festen Quadern gebaute, auf Säulenruhende Synagoge niederzureißen und an deren Stelle eine Kirche zuerbauen. Es lag ihr daran, das Besitzevgreifen zu einer vollendetenTatsache zu machen, damit nicht einmal der neu zu wählende Kaiserimstande sei, sie ungeschehen zu machen. Nachdem die Juden unterTrauergesängen ihre beweglichen Heiligtümer geräumt hatten, gingendie Maurer und Steinmetzen sofort daran, denTempel im Kleinen"zu zerstören. Beim Niederreißen desselben und beim Aufbau derKirche zeigte sich der kirchliche Wahn in seiner ganzen Erbärmlichkeitund war umso widriger, als er nicht einmal ganz ehrlich und nurkünstlich angefacht worden war, um die Ausweisung der Juden un-widerruflich zu machen. Nicht nur Männer, Frauen und Jungfrauen,nicht nur das Geschlecht der heiligen Einfalt, das eigens dazu vomLande herbeigeströmt war, und nicht nur Mönche aller Orden legtenHand daran, sondern auch die Vornehmsten der Stadt, der Weih-bischof und Bischof, als Administrator, arbeiteten mit eigenen Händendaran.

Mit Wetteifer sollen 4000 Menschen sich an demheiligen" Werkebeteiligt haben, und jeder war glücklich, auch nur einen Stein dazubeizutragen. In aller Eile wurde eine Kapelle auf dem Platze derSynagoge erbaut, ein Altar errichtet und kurz nach der Ausweisung derJuden (25. März) zum ersten Male Gottesdienst gehalten. Späterwurde die dort erbaute Kirche fürM aria d i e s ck, ö n e" eine der