Reibungen zwischen Christen und Inden in Regensburg. 181
kam also, wie es damals bei Prozessen üblich war, zu Verschleppungen?)Inzwischen schürten die Dominikaner und Franziskaner, namentlichein wütender Domprediger Baltha s a r Hubmaier, ein un-gestümer Jünger Ecks, der später als Wiedertäufer verbrannt wurde,das Feuer zu einem Judenbrande in Regensbnrg an. Der Klerusgab vor, eine Bulle vom Papst Leo X. erhalten zu haben — mansagte mittels der Fugger in Augsburg für 300 Dukateu — welcheden Wucher verböte. Der Bischof Johann ließ darauf an alleKirchtüren anschlagen, Klagen der Juden wegen Zahlung der Schulden,wenn Zinsen dabei wären, abzuweisen?) Nun kam noch dazu, daßzwei jüdische Jünglinge aus einem reichen Hause eines Tages unbe-dachte Äußerungen gegen Hubmaier getan und, durch eine verächtlicheMiene Vvn zwei christlichen Knaben verhöhnt, Steine nach dem Fensterim Kanonikushofe werfen wollten. — Das wurde nun als Kapital-verbrechen angesehen. Die Jünglinge wurden mit Stricken gebundenund sechs Tage in Haft gehalten. Neue Klagen der Juden gegen dieGeistlichkeit und den Rat, neues ohnmächtiges Einschreiten vom Inns-brucker Regiment. Der Bischof, zur Rede gestellt, leugnete die auf-reizenden Predigten gegen sie?)
Tie Juden hatten aber einen Christen gewonnen, welcher ihnenden Inhalt der gegen sie gerichteten Aufreizungen Vvn den Kanzelntreu hinterbrachte, damit die allen kundige Tatsache nicht mehr offiziellgeleugnet werden könnte. Darauf stellten sie neue Klagen an, nament-lich gegen Balthasar Hubmnier. Der Kaiser Maximilian war so auf-gebracht darüber, daß er einen eigenen Sendboten nach Regensburgan den Rat sandte mit dem Ausdruck seines Unwillens: daß die Judenunter Österreichs Schutz noch viel härter behandelt würden als früher,und mit dem Befehle, den Domprediger aus der Stadt zu weisen?)Die Mönche behaupteten, die deutschen Juden seien aus allen Gegendennach Augsburg zum Kaiser zusammengeströmt, um das Unglück vonder alten und geachteten Gemeinde abzuwenden, sie hätten das Ober-haupt des deutsch-römischen Reichs mit mehr als 12 000 Goldguldenbestochen, für sie Partei zu nehmen?) Es war in der Tat viel, daßder Kaiser von der Geistlichkeit verlangt hatte, ihm die angeblicheBulle, welche die Zinsnahme verboten haben sollte, nuszuliefern. Da-rauf befahl er, au den Kirchtüren anzuschlagen, daß jeder Schuldner,der sich darauf zur Tilgung seiner Schuld beriefe, dem Kaiser verant-
u Gemeiner, 289. h Das. S. 310.
h Das. S. 314. Vergl. dazu die zynische Darstellung des Mönches Chri-stophorus Ostrofrancns, cts UaUsbouas metroxoli, 6ap. 3.
Gemeiner, das. S. 333 ff.
°) Ostrofrancns a. a. O.