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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Irrungen und Aberglauben zu führen"^) Pfefferkorn wünschte, aufdem Wormser Reichstage eine öffentliche Disputation mit Renchlinzu halten, Mund gegen Mund, Schrift gegen Schrift.?)

Er hätte nicht Pfefferkorn sein müssen, wenn er nicht bei dieserGelegenheit auch den Juden etwas angeflickt hätte. Auch gegen siewiederholte er die alten Verleumdungen, daß sie Jesus und die Kirchein ihren Schriften und Gebeten schmähten, und daß sie junge Christengemartert und getötet, sowie Hostien mißhandelt hätten.?) Er seigar nicht ungerecht gegen die Juden, er verlange ja nur, daß manihnen nicht gestatte, aus Zins zu leihen, daß man ihnen ihre Schriftenwegnähme, und daß man sie zwinge, in den Kirchen Predigten an-zuhören und schwere Arbeiten zu verrichten, als da sei Straßenkehren,Kaminfegen, heimliche Gemächer reinigen, Steine tragen, Lehm treten,Kalk und Kohlen brennen, Lumpen und Hundekot aufsammelnA) Seinsehnlichster Wunsch und heißes Gebet sei stets gewesen, daß die Judenaus den drei größten Gemeinden Frankfurt, Worms und Regensburg,verjagt würden, und er habe zu seiner Freude erlebt, daß sein Gebetin betreff der letzten Stadt erhört worden sei.

In der Tat waren die Juden ans Regensburg zwei Jahre vorherauf eine schmähliche Weise nusgewiesen worden. Diese Stadt, welcheihre Blütezeit bereits hinter sich hatte und durch schlechtes Regimentund Dummheit von Augsburg und Nürnberg weit überflügelt wordenwar, aber gern noch ferner im Schleppengewande einer Großstadteinhergehen wollte, ohne die Mittel dazu zu besitzen, schob ihrenVerfall auf die Inden und kam ans den Reibungen mit ihnennicht heraus. Sämtliche Handwerker beklagten sich, daß die Judenihnen die Bissen von: Munde nähmen. Wenn es damit seine Richtig-keit hatte, wie sich die christlichen Ärzte und Bader beklagten, daßGeistliche wie Weltliche, Arme und Reiche, Städtische und Auswärtigenur von den Juden Arznei nehmen wollten/) so hätten sie die Schuldnur in ihrer eigenen Unfähigkeit suchen sollen. Die Inden hatten sichihrerseits über Truck, Verfolgung und Quälerei zu beklagen. DerKaiser Maximilian war daher von beiden Seiten so sehr überlaufen,daß er seiner Regierung in Innsbruck den Auftrag gegeben hatteauf einer Tagsatzung beide Parteien zu vernehmen und die Miß-helligkeit zu schlichten. Als die Parteien von der Bürgerschaft zwei,von den Juden drei Abgeordnete mit ihrem Sachwalter, Dr. Za-sius in Innsbruck erschienen, trugen die elfteren geradezu aufAusweisung der Juden an. Ter Kaiser, der als Erzherzog von Öster-reich doppelte Steuern von den Juden bezog, gab das nicht zu. Es

r) Mitleidig Klag Bl. 6l. 2. ?) Das. Ende. -) Das. II. 3.

ch Das. K. 2. °) Gemeiner, Regensburgsche Chronik IV. S. 27l.