Verurteilung des „Augenspiegels.
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Zeugnis ablegten. Das Alter des armen Reuchlin war indessen getrübt.Er hatte bis au sein Lebensende keine Freude mehr. Er mußte, wennauch von Freunden und Fürsten geschätzt, seine Vaterstadt verlassen,um in der Fremde zu leben. Tie Wut der Päpstlichen gegen Luthersimmer kühneres Auftreten traf auch Renchlin, obwohl er keineswegsmit jenem sympathisierte und seinem Großneffen und Liebling Me -l a n ch t h o n wegen dessen Beteiligung au der Reformation das ihmzugedachte Erbe entzogen hat.
Der Augnstinermönch von Wittenberg hatte nämlich endlich, durchden Widerspruch gereizt, dem kirchlichen llufuge den Krieg erklärt inseiner Schrift: „Au den christlichen Adel deutscher Nation von deschristlichen Standes Besserung" (Juni 1520). Er hatte darin die Wider-lichkeiten der Kirche, welche das damalige junge Deutschland undnamentlich Hutten in Pamphleten aufgedeckt hatten, zusammengefaßt,aber den Beschwerden eine religiöse Unterlage gegeben und nach-gewiesen, daß sie durchweg im schreiendsten Widerspruche zum Bibel-wort ständen. Ten Papst ließ er zwar noch bestehen, aber er degra-dierte ihn zu einem Oberbischof. Und da Luther in diesem kühnen,reformatorischen Sendschreiben den Fürsten die Obergewalt überKirche und Geistlichkeit zusprach, so fanden seine Morte bei diesen, wiebeim Volke Beifall. Tie Finsterlinge in Rom, die Tvmiuikanerpartei,der fanatische Kardinal Sylvester Prierias, auch die Fugger, die Gold-könige damaliger Zeit, welche durch die Unzufriedenheit mit demAblaßgeschäfte Geldverlust erlitten hatten, bearbeiteten indes den PapstLeo, der ein Feind von Gewalttätigkeiten war, eine Berdammungs-bulle gegen Luther und seine Anhänger zu erlassen (15. Juni), worinauch der Humanist Willibald Pirkheimer eingeschlossen war. Zugleich'wurde Reuchlins „Augenspiegel" im Widerspruch mit einer früherenErklärung in Rom verurteilt. Die Finsterlinge und Gewissenlosen,welche von der kirchlichen Knechtung und Verdummung lebten, hattendem Papste in den Ohren gelegen und seine Nachsicht hart getadelt.Wenn er früher Reuchlins Kühnheit mit Strenge entgegeugetreteuwäre, Hütte Luther nicht soviel gegen die katholische Kirche gewagt.Sie gingen soweit, zu behaupten, der Papst habe Unrecht getan, Reuchlinnicht einfach als Ketzer verbrennen zu lassen?) Aber die Bannbullegegen Luthers und Reuchlins Schrift war ein kalter Schlag, sie zündetenicht mehr, weil der Glaube daran geschwunden war; sie wurde nurwenig in deutschen Städten angeschlagen, in den meisten nicht zu-
*) Sehr gut gibt diese Stimmung der Ultrakatholiken wider jenes trocken-witzige Pamphlet: itlockna ingnirenäi Uasrstieos aä nsnm Uomauas Lnrias,gedr. 1519. In guo inaxiinnm glorinm ingumitorea knisaeni eoussenti,guum talsm virum, tam cloetnm (keueblüünm) eombussisasiN. tzniasemper eombnadores sunt ckoeliores eombnslis sie.
Graetz, Geschichte der Juden, IX.
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