Ablaßhandel.
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war die Erschwingung von Geld. Ter Erzbischof Albrecht erlaubte alsodas Feilbieten von Ablaßzetteln in seinem Sprengel, während derKurfürst von Sachsen es in seinen: Gebiete verbot. — Warum? Umdas Geld nicht außer Landes bringen zu lassen. Tie Franziskanermochten sich mit dein Ablaßkram nicht befassen, und so blieb diesesGeschäft dem Dominikanerorden, dessen, meiste Glieder die Unver-schämtheit nicht scheuten.
Ter Dominikanermönch Johann Tetzel, der Frechste unterdiesen Frechen, den der Kaiser Maximilian einst wegen Übeltatenin der Inn zu ertränken befohlen hatte, und der das Ausbieten derAblaßzettel für Kurmainz übernommen hatte, erging sich in Über-treibung und Marktschreierei, um nur viel Geld herauszuschlagen.Im Namen des Papstes, der mehr Macht hätte, als alle Heiligen,Apostel, Engel, ja mehr als Maria, bot er Sündenvergebung. Jesushabe sich nämlich seiner Macht bis zum jüngsten Tage begeben undauf seinen Statthalter übertragen, daher vermöge dieser in der Zeit-lichkeit alles im Himmel und auf Erden. Wer Geld für einen Ablaß-zettel gäbe, könne alle seine Sünden los werden und sogar Seelenaus den: Feuer erlösen, brauche auch gar nicht Reue und Zerknir-schung zu empfinden. Sobald das Geld in den: Kasten klinge, fahre dieerlöste Seele hinauf gen Himmel. Selbst wein: jemand die Gottes-mutter geschändet hätte, könne er durch den Kauf eines AblaßzettelsVergebung erhalten. Wer in Blutsverwandtschaft geheiratet, könnedadurch Dispens erlangen. Ja, selbst für eine zukünftige Sünde könneman durch Beisteuer zun: Bau Vergebung erkaufen. Kurz, es war einAufruf an die häßlichsten Leidenschaften durch Geldspenden alle Sündenund Verbrechen zu begehen. Die Prediger waren angewiesen, von derKanzel die Vortrefflichkeit des Ablaßkrams zu loben. Ter Verkäuferwurde beim Eintritt in eine Stadt — mit der päpstlichen Bulle aufeinem Kissen von Samt oder Goldbrokat — nnter Hellen: Glocken-geläuts, mit Gesängen und Fahnen, von sämtlichen Priestern, Mönchen,dem Rate, der Schuljugend und der ganzen Bevölkerung in bunterMischung eingeholt.
Es nahmen manche Ärgernis an der frechen, von der Religionselbst gutgeheißeneu Ümkehrung aller Ordnung, an dieser Anreizungzu sündhaften Taten und Freveln, aber keiner fühlte sich so sehr davonverletzt, als Martin Luther — freilich weniger in sittlicher Entrüstung,als vielmehr aus seiner Auffassung des Christentumes heraus, daßkein Mensch vor Gott gerecht befunden werde, nicht einmal ein Heiliger,geschweige denn ein Papst, uin aus den: Überschüsse seiner Verdienstedie Last der Sünden anderer erleichtern zu können. Als nun seineBeichtkinder nach den benachbarten Städten zu Tetzels Kloster strömten— nach Wittenberg durfte er wegen Konkurrenz nicht kommen — und